Der Mann, der Junge und der Esel

17. Dezember 2017

Wie oft haben Sie schon versucht, es allen Menschen Recht zu machen? Gerade zu Weihnachten wollen viele von uns alle Wünsche unter einen Hut bringen. Ein Ding der Unmöglichkeit! Folgende Geschichte hat mir persönlich vor Jahren geholfen aus der „Mach-es-allen-recht-Falle“ zu kommen. Genießen Sie den heutigen 3. Advent – und lesen Sie diese Geschichte vielleicht heute Ihren Lieben vor.

„Ein Vater zog mit seinem Sohn und mit einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“

Nach kurzer Überlegung setzte sich nun der Vater auf des Langohrs, den der Junge führte.

„Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Tieres Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft?“

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender die Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.“

Dies schmerzte den Jungen, und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Rücken des Tieres zu setzen.

„Hat man so etwas schon gesehen?“, keifte nun eine Frau. „So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan, die arme Kreatur!“

Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter.

Daraufhin entschlossen sich Vater und Sohn, den Esel an eine Stange zu binden und bis nach Hause zu tragen. Als sie dort ziemlich spät und völlig erschöpft ankamen, sagte die Frau: „Ihr seid vielleicht zwei Dummköpfe! Warum lasst ihr den Esel nicht selber zu seinem Stall laufen?“

Der Vater schob dem Esel eine Handvoll Stroh ins Maul und legte die Hand auf die Schulter seines Sohnes.

„Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

Ihr Advents-Impuls:

Wo haben Sie immer wieder versucht, es anderen Menschen recht zu machen? Nur um festzustellen, dass es dann doch wieder nicht das Richtige war? Wo können Sie sich besser klar machen, was SIE wollen? Und das dann auch tun? Wir freuen uns auf Ihre Gedanken.

Mitmachregeln – so geht es: Posten Sie Ihre Ideen bis heute Nacht 23.59 Uhr als Kommentar (gerne unter Pseudonym). Unter allen Tages-Postings verlosen wir Ende Dezember einen Übernachtungsgutschein im Traumhotel Schlossgut Oberambach, sowie drei Büchergutscheine. Außerdem spende ich für jeden Kommentar einen Euro zugunsten „Ärzte ohne Grenzen“ und zugunsten der gemeinnützigen Gesellschaft Charakerköpfe.org, die Erfolgswissen für jeden zugänglich machen will.

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Marion Z.

Bei mir ist es die ganz klassische und typische Situation: Ich kann meiner Schwiegermutter nichts recht machen. Nachdem ich es jahrelang versucht habe, mühe ich mich jetzt nicht mehr ab, sondern mache einfach, was ich für richtig halte. Bei blöden Kommentaren schalte ich auf Durchzug und reagiere nicht mehr. Das nimmt ihr den Wind aus den Segeln. Mein Mann, also ihr Sohn, ist zum Glück immer auf meiner Seite und hat das schon in seiner Kindheit gelernt… 😉

Maja

Letzen Monat habe ich damit begonnen ins Fitness Studio zu gehen, weil ich mehr Sport machen möchte. Ich freue mich darüber, dass ich 1x die Woche gehe, denn ich habe erstmal eine 10er Karte gekauft, bevor ich wieder eine Vertrag schliesse wofür ich zweimal die Woche gehen müsste damit es sich „rentiert“. Da ist es gerade auch so, dass jeder eine andere Meinung dazu hat. Wie z.B. 1x die Woche ist zu wenig oder ich solle weniger Bücher lesen und mehr Sport treiben. Für mich ist 1x die Woche 100% mehr als ich vorher getan habe. Ich möchte lieber zu… mehr »

Alabaster

Das bereitet mir keine Schwierigkeiten. Es ist gut eine eigene Meinung zu haben und sie zu vertreten, aber nicht bedingungslos. Kompromissbereit sollte man bleiben. Man kann über alles reden, aber grundsätzlich bleibe ich bei meiner Ansicht, das ist selbstbewusst und Andere reagiert mit Wertschätzung.

Barbara Engel

Bei mir sind es die Mitarbeiter die ich gerne alle unter einen Hut bringen würde. Alle sollen gerecht behandelt und entlohnt werden. Die Urlaubswünsche sollen natürlich auch erfüllt werden. Trotzdem soll es leistungsgerecht sein und die Arbeit soll auch nicht leiden. Trotz Zielvereinbarungen und Gesprächen ist es echt schwer allen gerecht zu werden und selbst nicht zu verzweifeln. Am liebsten würde ich alles selber machen damit die Kunden perfekt bedient werden, aber das geht natürlich auch nicht (der Tag hat nun mal nur 24 Stunden).

Ulrike

Ich habe mir zwar abgewöhnt, es allen Recht zu machen, weil ich mich dauernd abgehetzt habe und dann keine Zeit mehr für mich und meine Ideen hatte. Trotzdem habe ich immer wieder ein schlechtes Gewissen und kann schwer NEIN sagen. Das ist die nächste Aufgabe.
Einen schönen 3. Advent, an dem es bei uns traditionell Nougatstollen gibt.

Ina

oh ja… es anderen Recht machen wollen…
Es gibt so viele Meinungen wie es Sterne am Firmament gibt.
Ich versuche mich davon zu befreien, anderen gefallen zu müssen/wollen.
Aber ich bin noch nicht weit gekommen. Seine Meinung nicht recht zu fertigen, die „Disharmonie“ auszuhalten… da wäre ich gern weiter.

Aber nächstes Jahr klappt es bestimmt besser 🙂

Martina

Oh, das passiert mir leider regelmäßig. Für mich heißt das: Ich muss mir immer wieder aufs Neue klar machen, auf meine Bedürfnisse zu achten und entsprechend Entscheidungen zu fällen.

Knipserin

Das ist so wahr. Es fängt im Kleinen doch schon damit an, sieben Leute beim Weihnachtsmenü unter einen Hut zu bekommen.
Wie habe ich vor einiger Zeit treffend gelesen?
Selbst wenn du übers Wasser gehst, wird man dich fragen, ob du nicht schwimmen kannst!
Von daher: Traut euch, ihr selbst zu sein. Selbstbewusstsein ist nicht mit Egoismus zu verwechseln, auch wenn man es euch einreden will!
Schönen dritten Advent!

Felicitas

Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann… so allgemein war mir das früh klar, und auch die Meinung anderer nicht so wichtig, im Nahbereich habe ich mich früher oft schnell angepasst- Unsicherheit, Angst vor Ablehnung oder Liebesverlust.
Inzwischen kann ich besser mitkriegen, was ich möchte (ja auch nicht immer so einfach), dann aber auch abwägen- will ich mich durchsetzen, nein sagen, Kompromiss eingehen, dem anderen entgegenkommen freiwillig (auch schön, wenn es nicht zwanghaft immer so sein muss), einfach ganz unspektakulär mein Ding machen… Schön, dass es soo viele Möglichkeiten gibt!

Regina

„Allen Leuten recht getan ist eine Kunst die niemand kann“ – das hörte ich schon in meiner Kindheit. Und auch: „was dLeit sagn, kann uns wurscht sei“ (Was die anderen Leute über uns reden, ist uns egal…- frei ins Hochdeutsch übersetzt). Trotzdem überleg ich mir manchmal, was „dLeit sagn kanntn“ – auch wenns mir wurscht is. Wenn ich mit meiner Überzeugung dahinter stehe, was ich mache, kann es mir wirklich egal sein.

Chrissy

Bei uns gab es immer wieder Gemaule beim Mittagessen, drei Kinder und jeden Tag war einer oder zwei nicht zufrieden.
Obwohl ich mich immer nach ihren Wünschen gerichtet habe.
Das hat mir gereicht, jetzt haben wir uns zusammengesetzt und haben einen Essenplan über 4 Wochen erstellt, der sich immer wiederholt und seitdem ist alles einfacher: das Einkaufen und Kochen ist weniger zeitaufwendig und keiner meckert mehr.

Dimitra

Ich liebe diese Geschichte, rügt sie doch die Ausweglosigkeit des Versuchs, es allen recht zu machen. Bei meinem Gespräch mit meiner Mutter ist mir heute klargeworden, dass sich Erleichterung in mir breit machte als sie für Weihnachten absagte: ich war innerlich schon am Rotieren, wie ich es ihr Recht machen könnte.. Das wird ein ganz anderes Weihnachtsfest und ich fange gerade an Geschmack daran zu finden ☺️