Im Urlaub habe ich das Buch „Der Elefant, der das Glück vergass“ von Ajahn Brahm gelesen. Jeden Tag ein paar Geschichten, über die ich dann am Strand oder beim Laufen nachgedacht habe. Eine Geschichte hat es mir dabei besonders angetan – denn sie bringt so treffend auf den Punkt, was wir Kreativen Chaoten machen, wenn wir „eigentlich“ mal zur Ruhe kommen wollen.

Und diese Geschichte geht so:

Die Affen und der Affengeist

„An einem Feiertag erhielt das buddhistische Kloster Besuch von einem Affen. Zu diesem Anlass würden so viele Leute mit wohlschmeckenden Opfergaben kommen, hatte er sich gedacht, dass für ihn dabei bestimmt ein gutes Mittagessen herausspringen würde. Vielleicht würde ja jemand eine Mango fallen lassen oder einen Apfel vergessen.
Während er so vor der großen Halle des Klosters herumlungerte, bekam er zufällig mit, dass drinnen ein alter Mönch einen Vortrag über den »Affengeist« hielt. Das könnte ja ganz spannend sein, dachte sich der Affe, und hörte zu.
»Unter einem Affengeist«, sagte der alte Mönch, »versteht man einen unruhigen Geist, der von Hölzchen auf Stöckchen kommt, genau wie die Affen im Dschungel immer von einem Ast zum nächsten springen. Es ist ein schlechter Geist, der durch die Praxis der Meditation zurechtgerückt werden muss, damit er seinen Frieden finden kann.«
Als der Affe hörte, dass der Affengeist etwas Schlechtes sei, wurde er böse. »Was soll das denn heißen: der Affengeist ist ein schlechter Geist! Schließlich bin ich ein Affe und mein Geist ist völlig in Ordnung. Diese Menschen beleidigen uns. Das ist ungerecht. Es ist einfach nicht richtig. Ich muss dringend etwas gegen diese ungeheuerlichen Diffamierungen tun!« Dann schwang er sich von Ast zu Ast durch den Wald nach Hause, um bei Freunden seinem Ärger Luft zu machen.
Bald war die ganze Affenbande auf den Beinen, sprang auf und nieder und kreischte wild durcheinander: »Wir lassen uns doch nicht beleidigen! Das ist Artendiskriminierung! Wie können sie es wagen! Wir beschweren uns beim WWF und lassen uns von denen einen Anwalt geben! Schließlich haben wir Affen auch unsere Rechte!«
»Stopp!«, befahl ihr Anführer. »Versteht ihr denn nicht? Dieser Mönch hat vollkommen recht. Schaut euch doch nur an: Ihr springt da wie blöd auf und nieder und veranstaltet einen Heidenlärm. Das kommt dabei raus, wenn man einen Affengeist hat. Ihr könnt einfach nicht stillsitzen, ihr Affen!«
Die Affen erkannten, dass ihr Anführer die Wahrheit sagte. Sie alle waren mit einem Affengeist gestraft und würden nie ihren Frieden finden. Sie ließen die Köpfe hängen und brüteten schweigend vor sich hin.
»Hey!«, meldete sich der Affe zu Wort, der im Kloster gewesen war. »Mir ist da gerade eine Idee gekommen. Dieser Mönch hat gesagt, dass man den Affengeist überwinden und zur Ruhe kommen kann, wenn man nur meditiert.«
Glücklich waren die Affen bald wieder auf den Beinen, sprangen auf und nieder und kreischten alle wild durcheinander. »Ja! Cool! Auf, lasst uns meditieren. Kommen wir zur Ruhe!«
Nach einer Weile warf einer der Affen die Frage auf: »So, und wie geht das nun, das Meditieren?«
»Als Erstes müssen wir uns ein Kissen zum Draufsitzen suchen!«, meinte ein Affe.
»Ja! Cool! Suchen wir uns Kissen!« Nach vielem Gespringe und Gekreische machten sie sich auf den Weg in den Wald, wo sie Gräser und weiche Blätter einsammelten, aus denen sie improvisierte zafus machten, wie man die buddhistischen Meditationskissen nennt.
»Und was machen wir jetzt?«
»Hockt euch auf die Kissen«, befahl der Affe, der im Kloster gewesen war. »Schlagt die Beine übereinander, legt die rechte Pfote auf die linke, dabei berühren sich die Daumen ganz leicht. Haltet den Rücken gerade. Schließt die Augen und beobachtet euren Atem.«
Dies war das erste Mal in der Geschichte, dass Affen meditierten. Nie zuvor hatte im Wald eine solche Stille geherrscht. Nur war sie leider nicht von Dauer.
»Entschuldigt mal kurz!«, unterbrach einer der Affen. Alle schlugen die Augen auf. »Mir ist da eben was eingefallen. Eigentlich wollten wir heute zum Mittagessen alle über die Bananenplantage herfallen, wisst ihr noch? Ich krieg das jetzt einfach nicht mehr aus dem Kopf. Was meint ihr, wollen wir nicht erst noch mal kurz zu der Plantage, damit das erledigt ist, und dann meditieren wir?«
»Klar doch! Cool! Spitzenidee!«, brüllten die anderen Affen, fingen schon wieder an, auf und nieder zu springen, und dann ging’s ab auf die Plantage.
Sie klauten jede Menge Bananen, legten sie alle auf einen großen Haufen und begaben sich dann zu ihren Meditationskissen zurück. Sie hockten sich hin, kreuzten die Beine, legten behutsam die rechte Pfote über die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und nahmen ihre Meditation wieder auf.
Nach zwei Minuten hob ein anderer Affe die Hand. »Entschuldigt mal kurz. Mir ist da auch was eingefallen. Bevor wir die Bananen futtern können, müssen wir sie ja auch noch schälen. Lasst uns das erst erledigen, dann kann ich auch wieder in Ruhe meditieren, ohne ständig daran denken zu müssen.«
»Aber klar doch! Cool! Daran haben wir auch schon gedacht«, brüllte der Rest der Affenbande. Also sprangen sie mal wieder auf und nieder, kreischten und schälten die Bananen.
Nachdem das geschehen und die Früchte erneut säuberlich auf einen Haufen gelegt waren, begaben sich die Affen zu ihren Kissen zurück. Ein weiteres Mal hockten sie sich hin, kreuzten die Beine, legten die rechte Pfote behutsam über die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und beobachteten den natürlichen Fluss ihres Atems.
»Entschuldigt mal kurz!«, rief schon nach einigen Sekunden ein dritter Affe. »Aber mir ist auch was eingefallen. Bevor wir die Bananen futtern können, müssen wir sie uns ja erst mal ins Maul schieben. Lasst uns das erst erledigen, dann können wir nachher auch in aller Ruhe meditieren, ohne daran denken zu müssen.«
»Klar! Cool! Was für eine brillante Idee!« Alle Affen sprangen auf und nieder, veranstalteten einen Höllenradau und steckten sich eine Banane ins Maul. Ein paar auch zwei und einer sogar drei. Manche Affen sind eben auch nicht anders als manche Menschen. Allerdings futterten sie die Bananen noch nicht. Sie hatten nur etwas erledigt, damit sie später nicht mehr ständig daran denken mussten und den Kopf zum Meditieren frei hatten.
Anschließend hockten sie sich wieder auf ihre Kissen, kreuzten die Beine, legten die rechte Pfote behutsam auf die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und nahmen mit den Bananen im Maul die Meditation wieder auf.
Nachdem aber alle die Augen geschlossen hatten, wurden die Bananen natürlich sofort aufgefuttert. Dann standen die Affen auf und machten sich davon. Das war das Ende ihrer ersten und einzigen Meditationssitzung.
Jetzt wissen Sie auch, warum es uns Menschen so schwerfällt, zur Ruhe zu kommen. Denn die meisten von uns haben einen Affengeist, und das bedeutet:
Ich erledige das nur noch kurz, dann setze ich mich ganz ruhig hin und meditiere.
Deshalb ist heutzutage, wie ich schon in einem meiner anderen Bücher erwähnt habe, der Friedhof der einzige Ort, an dem die Leute in Frieden ruhen. Abgesehen natürlich von buddhistischen Klöstern.“

Quelle: Ajahn Brahm, Der Elefant, der das Glück vergass (S. 121 ff), überall im örtlichen Buchhandel (einfach online bestellen und in der Filiale abholen) oder auch über amazon.

Denk-Bar-Aufgabe dieser Woche:

Und wie ist das bei Ihnen? Wo erleben Sie immer wieder, dass Ihnen der Affengeist einen Strich durch die Rechnung macht? Wo wollen Sie sich selbst etwas Gutes tun, und machen dann doch noch schnell die Küche sauber, die Mails noch checken, die Aufgabe noch fertig?

Und vorallem: wie können Sie sich und Ihren Affengeist liebevoll zähmen? Was funktioniert bei Ihnen schon ganz gut? Was nehmen Sie sich vor? Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Willkommen in unserer “wunderbaren Denk-Bar”.

Hier erhalten Sie jeden Dienstag einen Impuls zum Nach-Denken, Vor-Denken, Mit-Denken. Denn alles was denk-bar ist, kann mach-bar werden. Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann gerne in Facebook, Twitter & Co. über die untenstehenden Buttons teilen. Damit Sie sich gut eindenken können poste ich manchmal auch bereits am Montag.

 

Auch schön dazu:

„Es kamen ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister. „Herr“, fragten sie „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du.“ Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: „Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?“

Es kam die gleiche Antwort: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend, fügte der Meister nach einer Weile hinzu: „Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“

 

Und konkret:

Häufig kommt der Herbst mit geballten Terminen, neuen Aufgaben und zahlreichen Projekten daher. Bewusst erleben wir alleine schon die enge Taktung als Stress, empfinden Druck.
Unbewusst erhöht sich unser Stresspegel nochmals, wenn nämlich die eigenen Erwartungen, schlechte Ernährung und fehlender Schlaf uns zusätzlich zermürben. Oder wenn die lieben „Anderen“ mit ihren Forderungen oder ihrer bloßen Anwesenheit uns chronisch nerven

Auch wenn wir Menschen soziale Wesen sind – die Masse an Menschen setzt uns zu. Ergebnis: unser vegetatives Nervensystem läuft auf Hochtouren, der unbewusst arbeitende Symapthikus treibt uns an, treibt den Puls nach oben und macht uns aktiv. Soweit so schön – doch fehlt der Ausgleich, dann macht uns die chronische Anspannung krank. Wichtig deshalb, dass wir immer wieder bewusst unseren Erholnerv, den Parasympathikus, aktivieren und uns damit runterfahren.

Müssen Sie sich jetzt auf die Yogamatten werfen? Nicht unbedingt! Denn erzwungene Ruhe kann uns zusätzlich stressen. Diese fünf Tipps helfen Ihnen, in eine gesunde Entspannung zu kommen:

Tipp #1: Beobachten
Beobachten Sie sich mal bewusst, wann Sie am besten entspannen und abschalten können. Den Kopf frei bekommen auf der Yoga-Matte ist für viele Gestresste eher zusätzlich Stress, weil die meisten versuchen, auf Biegen und Brechen „Nichts“ zu denken. Vielleicht bekommen Sie viel besser den Kopf frei im Hochseilgarten, beim Tanzen oder Kartenspielen?

Tipp #2: Innehalten
Halten Sie im hektischen Alltag kurz immer mal wieder inne. Wenn Sie in der Früh aus dem Haus gehen, atmen Sie tief ein und aus. Bleiben Sie einen Moment stehen, und schauen Sie sich bewusst um. Was hören Sie? Was riechen Sie? Was sehen Sie? Machen Sie das auch untertags immer mal wieder.

Tipp #3: Ausklinken
Suchen Sie bewusst die Ruhe. Schon mal „Waldbaden“ ausprobiert? Bei „Shinrin Yoku“, einem Trend aus Japan, den viele sicherlich auch hierzulande bereits seit Jahrhunderten machen, geht es darum, die äußeren Eindrücke der Natur tief in uns reinzulassen. Sind alle Sinne auf das Außen gerichtet, hat das Gehirn keinen Platz mehr, um Probleme zu wälzen.

Tipp #4: Austauschen
Treffen Sie sich regelmäßig mit Menschen, die Sie mögen. Tauschen Sie sich aus, lachen Sie gemeinsam, seien Sie füreinander da. Forscher haben jüngst erneut belegt, dass wir Menschen in einem Gefühl der Geborgenheit sehr viel besser Stress abbauen können, und Schwierigkeiten leichter überwinden.

Tipp #5: Eintauchen
Sie wollen mental auch zwischendurch abschalten lernen? Dann tauchen Sie ein in Apps wie

  • Headspace (Meditations-App, englisch)
  • Meine-Ich-Zeit (kostenloser Alarm der an Auszeiten und Innenhalten erinnert)
  • 7Mind („Jetzt-Übungen“ erleichtern Abschalten und Einschlafen)

Gönnen Sie sich immer wieder Gegenpole zum hektischen Alltag – Sie werden es lieben und damit ganz automatisch nicht nur entspannter sein, sondern auch konzentrierter, produktiver und glücklicher.
Viel Spaß beim Ausprobieren!

P.S. Mehr Ideen, wie Sie Ihren Monkey-Mind besänftigen, finden Sie im Buch LMAA, Kapitel 31.

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