Denk-Bar: Den Affengeist beruhigen

26. September 2016
affengeist, zur Ruhe kommen, meditation, abschalten, zeitmanagement, motivation, ruhe, stimmung, laune

Im Urlaub habe ich das Buch „Der Elefant, der das Glück vergass“ von Ajahn Brahm gelesen. Jeden Tag ein paar Geschichten, über die ich dann am Strand oder beim Laufen nachgedacht habe. Eine Geschichte hat es mir dabei besonders angetan – denn sie bringt so treffend auf den Punkt, was wir Kreativen Chaoten machen, wenn wir „eigentlich“ mal zur Ruhe kommen wollen.

Und diese Geschichte geht so:

Die Affen und der Affengeist

„An einem Feiertag erhielt das buddhistische Kloster Besuch von einem Affen. Zu diesem Anlass würden so viele Leute mit wohlschmeckenden Opfergaben kommen, hatte er sich gedacht, dass für ihn dabei bestimmt ein gutes Mittagessen herausspringen würde. Vielleicht würde ja jemand eine Mango fallen lassen oder einen Apfel vergessen.
Während er so vor der großen Halle des Klosters herumlungerte, bekam er zufällig mit, dass drinnen ein alter Mönch einen Vortrag über den »Affengeist« hielt. Das könnte ja ganz spannend sein, dachte sich der Affe, und hörte zu.
»Unter einem Affengeist«, sagte der alte Mönch, »versteht man einen unruhigen Geist, der von Hölzchen auf Stöckchen kommt, genau wie die Affen im Dschungel immer von einem Ast zum nächsten springen. Es ist ein schlechter Geist, der durch die Praxis der Meditation zurechtgerückt werden muss, damit er seinen Frieden finden kann.«
Als der Affe hörte, dass der Affengeist etwas Schlechtes sei, wurde er böse. »Was soll das denn heißen: der Affengeist ist ein schlechter Geist! Schließlich bin ich ein Affe und mein Geist ist völlig in Ordnung. Diese Menschen beleidigen uns. Das ist ungerecht. Es ist einfach nicht richtig. Ich muss dringend etwas gegen diese ungeheuerlichen Diffamierungen tun!« Dann schwang er sich von Ast zu Ast durch den Wald nach Hause, um bei Freunden seinem Ärger Luft zu machen.
Bald war die ganze Affenbande auf den Beinen, sprang auf und nieder und kreischte wild durcheinander: »Wir lassen uns doch nicht beleidigen! Das ist Artendiskriminierung! Wie können sie es wagen! Wir beschweren uns beim WWF und lassen uns von denen einen Anwalt geben! Schließlich haben wir Affen auch unsere Rechte!«
»Stopp!«, befahl ihr Anführer. »Versteht ihr denn nicht? Dieser Mönch hat vollkommen recht. Schaut euch doch nur an: Ihr springt da wie blöd auf und nieder und veranstaltet einen Heidenlärm. Das kommt dabei raus, wenn man einen Affengeist hat. Ihr könnt einfach nicht stillsitzen, ihr Affen!«
Die Affen erkannten, dass ihr Anführer die Wahrheit sagte. Sie alle waren mit einem Affengeist gestraft und würden nie ihren Frieden finden. Sie ließen die Köpfe hängen und brüteten schweigend vor sich hin.
»Hey!«, meldete sich der Affe zu Wort, der im Kloster gewesen war. »Mir ist da gerade eine Idee gekommen. Dieser Mönch hat gesagt, dass man den Affengeist überwinden und zur Ruhe kommen kann, wenn man nur meditiert.«
Glücklich waren die Affen bald wieder auf den Beinen, sprangen auf und nieder und kreischten alle wild durcheinander. »Ja! Cool! Auf, lasst uns meditieren. Kommen wir zur Ruhe!«
Nach einer Weile warf einer der Affen die Frage auf: »So, und wie geht das nun, das Meditieren?«
»Als Erstes müssen wir uns ein Kissen zum Draufsitzen suchen!«, meinte ein Affe.
»Ja! Cool! Suchen wir uns Kissen!« Nach vielem Gespringe und Gekreische machten sie sich auf den Weg in den Wald, wo sie Gräser und weiche Blätter einsammelten, aus denen sie improvisierte zafus machten, wie man die buddhistischen Meditationskissen nennt.
»Und was machen wir jetzt?«
»Hockt euch auf die Kissen«, befahl der Affe, der im Kloster gewesen war. »Schlagt die Beine übereinander, legt die rechte Pfote auf die linke, dabei berühren sich die Daumen ganz leicht. Haltet den Rücken gerade. Schließt die Augen und beobachtet euren Atem.«
Dies war das erste Mal in der Geschichte, dass Affen meditierten. Nie zuvor hatte im Wald eine solche Stille geherrscht. Nur war sie leider nicht von Dauer.
»Entschuldigt mal kurz!«, unterbrach einer der Affen. Alle schlugen die Augen auf. »Mir ist da eben was eingefallen. Eigentlich wollten wir heute zum Mittagessen alle über die Bananenplantage herfallen, wisst ihr noch? Ich krieg das jetzt einfach nicht mehr aus dem Kopf. Was meint ihr, wollen wir nicht erst noch mal kurz zu der Plantage, damit das erledigt ist, und dann meditieren wir?«
»Klar doch! Cool! Spitzenidee!«, brüllten die anderen Affen, fingen schon wieder an, auf und nieder zu springen, und dann ging’s ab auf die Plantage.
Sie klauten jede Menge Bananen, legten sie alle auf einen großen Haufen und begaben sich dann zu ihren Meditationskissen zurück. Sie hockten sich hin, kreuzten die Beine, legten behutsam die rechte Pfote über die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und nahmen ihre Meditation wieder auf.
Nach zwei Minuten hob ein anderer Affe die Hand. »Entschuldigt mal kurz. Mir ist da auch was eingefallen. Bevor wir die Bananen futtern können, müssen wir sie ja auch noch schälen. Lasst uns das erst erledigen, dann kann ich auch wieder in Ruhe meditieren, ohne ständig daran denken zu müssen.«
»Aber klar doch! Cool! Daran haben wir auch schon gedacht«, brüllte der Rest der Affenbande. Also sprangen sie mal wieder auf und nieder, kreischten und schälten die Bananen.
Nachdem das geschehen und die Früchte erneut säuberlich auf einen Haufen gelegt waren, begaben sich die Affen zu ihren Kissen zurück. Ein weiteres Mal hockten sie sich hin, kreuzten die Beine, legten die rechte Pfote behutsam über die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und beobachteten den natürlichen Fluss ihres Atems.
»Entschuldigt mal kurz!«, rief schon nach einigen Sekunden ein dritter Affe. »Aber mir ist auch was eingefallen. Bevor wir die Bananen futtern können, müssen wir sie uns ja erst mal ins Maul schieben. Lasst uns das erst erledigen, dann können wir nachher auch in aller Ruhe meditieren, ohne daran denken zu müssen.«
»Klar! Cool! Was für eine brillante Idee!« Alle Affen sprangen auf und nieder, veranstalteten einen Höllenradau und steckten sich eine Banane ins Maul. Ein paar auch zwei und einer sogar drei. Manche Affen sind eben auch nicht anders als manche Menschen. Allerdings futterten sie die Bananen noch nicht. Sie hatten nur etwas erledigt, damit sie später nicht mehr ständig daran denken mussten und den Kopf zum Meditieren frei hatten.
Anschließend hockten sie sich wieder auf ihre Kissen, kreuzten die Beine, legten die rechte Pfote behutsam auf die linke, strafften den Rücken, schlossen die Augen und nahmen mit den Bananen im Maul die Meditation wieder auf.
Nachdem aber alle die Augen geschlossen hatten, wurden die Bananen natürlich sofort aufgefuttert. Dann standen die Affen auf und machten sich davon. Das war das Ende ihrer ersten und einzigen Meditationssitzung.
Jetzt wissen Sie auch, warum es uns Menschen so schwerfällt, zur Ruhe zu kommen. Denn die meisten von uns haben einen Affengeist, und das bedeutet:
Ich erledige das nur noch kurz, dann setze ich mich ganz ruhig hin und meditiere.
Deshalb ist heutzutage, wie ich schon in einem meiner anderen Bücher erwähnt habe, der Friedhof der einzige Ort, an dem die Leute in Frieden ruhen. Abgesehen natürlich von buddhistischen Klöstern.“

Quelle: Ajahn Brahm, Der Elefant, der das Glück vergass (S. 121 ff), überall im örtlichen Buchhandel (einfach online bestellen und in der Filiale abholen) oder auch über amazon, oder ebook.de

Denk-Bar-Aufgabe dieser Woche:

Und wie ist das bei Ihnen? Wo erleben Sie immer wieder, dass Ihnen der Affengeist einen Strich durch die Rechnung macht? Wo wollen Sie sich selbst etwas Gutes tun, und machen dann doch noch schnell die Küche sauber, die Mails noch checken, die Aufgabe noch fertig?

Und vorallem: wie können Sie sich und Ihren Affengeist liebevoll zähmen? Was funktioniert bei Ihnen schon ganz gut? Was nehmen Sie sich vor? Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Willkommen in unserer “wunderbaren Denk-Bar”.

Hier erhalten Sie jeden Dienstag einen Impuls zum Nach-Denken, Vor-Denken, Mit-Denken. Denn alles was denk-bar ist, kann mach-bar werden. Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann gerne in Facebook, Twitter & Co. über die untenstehenden Buttons teilen. Damit Sie sich gut eindenken können poste ich manchmal auch bereits am Montag.

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Annette

Eine wundervolle Fabel! Diesen Affengeist kenne ich nur zu gut! Meditation ist eine tolle Methode, aber sie erdordert unglaubliche Disziplin – denn die Gedanken sind immer in Bewegung und tolle Einfälle während der Meditation damit vorprogrammiert. Eine Lösung dafür – da auch eine blaue Stunde am Tag nicht ausreicht – habe ich für dieses Phänomen noch nicht gefunden. Vielleicht hat ja hier jemand dafür einen Tipp. Ansonsten – never give up!

ich

Ohja, der Affengeist… Bei vielen Gedanken, die mir während des Meditierens kommen, stelle ich fest: ist nicht wichtig, wird mir nachher auch wieder einfallen, also kann der Gedanke ziehen wie eine Wolke am Himmel. Aber manchmal fallen mir ganz dringende oder wichtige Dinge ein, wo es fiese Konsequenzen für mich hätte, wenn sie mir nachher nicht oder erst sehr spät wieder einfallen würden. Dann unterbreche ich tatsächlich die Meditation und schreibe mir das auf. Grundlegend ist das mein Weg, ohne Unterbrechungen zu Meditieren: Wichtige und manchmal auch unwichtige Dinge konsequenter aufschreiben (gleich). Dann brauche ich mir keine Gedanken darüber zu… mehr »

Ich kenne den Affengeist auch zur Genüge. Zu Zeiten, in denen ich viele verschiedene Projekte (beruflich wie privat) am Start habe, sucht er mich gerne nachts heim. Ich werde kurz wach, drehe mich im Bett um und will weiterschlafen. Doch er lässt mich nicht, zupft und zerrt an mir herum: Denk dran, du musst morgen dies, du musst das, vergiss nicht … Aufschreiben ist eine gute Methode, den Geist zu beruhigen. Allerdings mag ich das nachts nicht machen (bräuchte dazu Licht, was meinen Schatz wecken würde). Ich versuche also, schon im Laufe des Tages alles, was mir einfällt, egal wie… mehr »

Dorothea

… und die Affen auf dem Bild sehen so ruhig und gelassen aus . . . Mein Erfahrung mit dem Affengeist ist die, dass es wenig nützt, diesen Geist loswerden zu wollen. Ihn zu bekämpfen und nicht mehr haben zu wollen, ist keine hilfreiche Zielsetzung. (Gehe mal in ein Reisebüro, um einen schönen Urlaub zu machen und sage, wo du NICHT hinwillst. DAS Beratungsgespräch wird sehr schwierig und langwierig.) Das ist, als wolle man all die Affen einfangen und fesseln und knebeln und wegsperren. Klingt nicht gut, ist auch nicht gut. Statt zu fokussieren, was man nicht mehr möchte, sollte… mehr »

Renate

Vielen Dank! Diese umfassende Übungsbeschreibung werde ich umstzen.

Renate

Vielen Dank! Diese umfassende Übungsbeschreibung werde ich umsetzen.

Tina

Sehr schön geschrieben, sehr schöne Bilder, sehr hilfreiche Tipps für mich, für jetzt gerade! Danke 🙂

Sabrina

Liebe Dorothea,
du hast es so trefflich auf den Kopf getroffen!
Vielen Dank für die tollen Tipps!
Es hilft, sich wieder über den eigenen Fokus klar zu werden und ihn zu verschieben.
Vielen Dank!

Sabrina

Je mehr wir uns gegen den Affengeist wehren, desto größer wird er und desto mehr nehmen wir nur noch ihn wahr.
Sehen wir ihn doch lieber als einen Gast in unserem Geist, behandeln ihn freundlich, aber quatschen nicht mit ihm und er wird auch wieder gehen. :o)

Eine tolle Geschichte!! Bringt schön bildhaft die springenden Gedanken hervor!