Wer kennt sie nicht, diese nervigen Aufgaben, die sich wie Klammeraffen an uns festkrallen. Meist sind es kleine Dinge, die wir genauso gut auch gleich erledigen könnten, nur sind wir dafür in der Regel zu faul. „Das mach ich später.“, denken wir uns. Natürlich vergessen wir dann die Hälfte wieder und für die andere Hälfte haben wir „später“ auch keine Zeit. Das Ergebnis: wir sind frustriert, haben zig Aufgaben im Hinterkopf und können uns deshalb nicht richtig auf die jetzige Aufgabe konzentrieren. Am Ende des Tages haben wir automatisch das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Diese Tipps bringen Sie ins Tun, und schlagen der Aufschiebertis ein Schnippchen.[divider style=’centered‘]

Aufschieberitis-Kniff #1: Das Direkt-Prinzip

Ein gängiges Zeitmanagement-Tool für dieses Problem ist das Direkt-Prinzip: Um der Aufschieberitis-Falle zu entkommen, entscheiden Sie einfach direkt, was mit der Aufgabe geschehen soll: direkt erledigen, direkt ablegen, direkt planen, direkt delegieren… Super! Problem gelöst! Oder vielleicht doch nicht???

Was sich ganz einfach und logisch anhört, funktioniert im Alltag irgendwie nicht. (Schließlich entscheide ich auch direkt, wenn ich sage „Das mach ich später“)
Aber selbst wenn wir es uns wirklich vornehmen, alles sofort wegzuarbeiten, was uns in die Hände fällt, lässt sich das nicht so einfach umsetzen. Das hat mehrere Gründe.

Signale geben
Zum einen ist es in den seltensten Fällen so, dass wir ungestört arbeiten können. Da sitz ich gerade an einem wichtigen Artikel, plötzlich klingelt das Telefon und schon hab ich mich verquatscht. Dabei kommt mir eine geniale Idee, und schon bin ich mit den Gedanken ganz wo anders. Der Artikel ist natürlich vergessen. Wenn wir Dinge also wirklich erledigen wollen, sollten wir unseren Mitmenschen eindeutige Signale geben, damit wir nicht gestört werden.

Zum anderen werden wir häufig von den kleinen Aufgaben überfallen. Ja, genau! Und zwar in Form von netten Kollegen, die unschuldig ins Zimmer schauen und fragen „Du, hättest Du nicht gerade ein paar Minuten…“. „Na klar, immer doch.“, sagen Sie dann automatisch und schon haben Sie wieder ein paar Kletten mehr am Hals. Problematisch sind dabei nicht die Aufgaben, die Sie sofort abhaken können, sondern vielmehr die, auf die Sie keine Lust haben, sie aber aus Freundlichkeit annehmen. Überlegen Sie in solchen Fällen gut, ob Sie dem anderen noch einen Gefallen schulden (dann aber auch gleich erledigen), oder ob derjenige gerade genauso wenig Lust darauf hat wie Sie. Sagen Sie ihm in solchen Fällen ganz klar, dass Sie gerade zu tun haben.

Dann gibt es Aufgaben, die zwar prinzipiell nicht lange dauern würden, aber wir möchten sie gerne perfekt erledigen. Leider haben wir dafür aber gerade nicht die Zeit, und schon werden sie auf „später“ verschoben. Unser Perfektionsdrang hindert uns aber nicht nur daran, Dinge gleich zu erledigen. Er kostet uns auch mehr Zeit, als wir eigentlich bräuchten. Denn je mehr Zeit wir uns nehmen, desto länger brauchen wir auch für eine Aufgabe. Die Folge ist, dass wir längst nicht so schnell vorwärts kommen, wie wir es uns wünschen und am Abend enttäuscht nach Hause gehen. Überlegen Sie sich deshalb immer, ob „Gut“ nicht vielleicht schon gut genug ist. „Perfekt“ ist zwar schön, muss aber nicht immer sein.

Zu guter Letzt dürfen wir aber auch eins nicht vergessen: Nicht jede Aufgabe lässt sich sofort erledigen. Sie warten noch auf die Zusage von ein paar Gästen für Ihre Party? Natürlich macht es keinen Sinn, gleich einkaufen zu gehen. Oder: Ihr Projekt würden Sie am liebsten sofort abgeben, aber Sie brauchen noch die Daten von einem Kollegen. Meist hängt mehr an einer Aufgabe, als wir auf den ersten Blick sehen. Dann sind wir über den „Rattenschwanz“ enttäuscht und bekommen das Gefühl, die Dinge nicht zu Ende zu bringen. In solchen Situationen ist es am besten, Sie machen sich im Kopf eine Notiz „Im Moment nicht mein Problem.“ und akzeptieren, dass diese Aufgabe auf die lange Bank kommt.

Schön und gut, denken Sie jetzt wahrscheinlich, aber solche aufgeschobenen Aufgaben vergess ich grundsätzlich. Damit Ihnen das nicht passiert, machen Sie sich einen Eintrag in Ihrer Reisenden To-Do-Sammlung. Dort ist sie gut aufgehoben und Sie kriegen Ihren Kopf frei für die dringenden Dinge.

Aufschieberitis-Kniff #2: Nur 2 Minuten

Das Schwierigste, wenn wir Aufgaben vor uns herschieben, ist das Anfangen. Deshalb nehmen Sie sich bitte beim nächsten Aufschiebe-Anfall vor, diese Aufgabe jetzt nur zwei Minuten lange zu machen.

  • Stellen Sie sich gern dazu einen Count-Down-Zähler.
  • Beginnen Sie Ihre Aktivität.
  • Der Wecker klingelt – hören Sie auf, die Aufgabe zu bearbeiten. Und nehmen Sie sich in den kommenden Stunden oder Tagen vor, weitere zwei Minuten daran zu arbeiten.
  • Sie sind aber jetzt gerade gut drin in der Aufgabe und wollen lieber weitermachen? Nur zu – und Glückwunsch: Sie haben soeben Ihre Aufschieberitis besiegt.

Aufschieberitis-Kniff #3: Der Sache auf den Grund gehen

Aufschieben ist Ihnen bereits dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass Sie das Gefühl haben, das komplette Leben in Wartehaltung zu verbringen? Dann gehen Sie den tatsächlichen Ursachen für Ihr Vermeidungsverhalten auf den Grund. In meinen Buch „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?“ (3. Auflage, 2017, S. 241ff) beleuchten wir dieses Thema ebenfalls.

Hier die 10 häufigsten Gründe, was uns am Anfangen hindert. Wo erkennen Sie sich wieder?

  1. Ich bin ein Perfektionist – und wenn ich Bedenken haben, dass ich diese Aufgabe nicht perfekt hinbekommen kann, dann mache ich es eben gar nicht.
  2. Ich habe Angst, dass mir Fehler unterlaufen.
  3. Ich habe Angst vor dem Erfolg. Ja auch das gibt es. Denn wenn wir Aufgaben gut erledigt haben, und wir dann z.B. in der Folge weitere Aufgaben dieser Art erhalten oder gar einen Beförderung – da kann die Aussicht auf die Mehrarbeit uns gewaltig lähmen.
  4. Ich fühle mich von der Aufgabe überfordert.
  5. Ich fühle mich von der Aufgabe unterfordert.
  6. Ich weiß einfach nie, wo ich anfangen sollte.
  7. Ich kann mich in der Fülle der offenen Aufgaben nicht entscheiden.
  8. Andere Tätigkeiten verschaffen mir eine schnellere Befriedigung, ein schnelleres Erfolgserlebnis.
  9. Ich bin zur Zeit einfach nur müde, und kann mich zu gar nichts aufraffen. In diesem Fall: schlafen Sie sich aus, machen Sie Urlaub und das Problem erledigt sich von selbst.
  10. Aufschieben bringt mir Vorteile, weil beispielsweise Kollegen oder Familien-Mitglieder für mich in die Bresche springen.

Was ist es bei Ihnen? Wo erkennen Sie sich wieder? Unsere wirklichen Bremser zu enttarnen ist der erste Schritt zur Veränderung. Fragen Sie sich nun: was kann ich tun, um meinen Bremser zumindest ein bisschen kleiner zu machen? Was fällt Ihnen ein?

Teilen Sie gerne Ihre Erfahrungen, was bei Ihnen zu Aufschieberitis führt – und wie Sie sich selbst helfen – hier als Kommentar. Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.

(Erstmals veröffentlicht im Mai 2018, komplett überarbeitet im April 2019)

Teile gerne diesen Artikel in Deinen sozialen Medien