Kennst Du Kairos?

Und Chronos?

Das sind zwei Götter der Zeit in der griechischen Mythologie.

Chronos, der Gott des stetigen Zeitflusses, stellt die Quantität der Zeit dar: ihre genaue Abfolge, das gleichmäßige Verstreichen, die „Chronologie“. Ihm haben wir auch das Wort „Chronometer“ für unsere Uhren zu verdanken. In den letzten Jahrzehnten haben Kostendruck, Effizienzdenken und ein gestiegenes Lebenstempo vor allem Chronos das Ruder übernehmen lassen. Aussagen wir „Zeit ist Geld!“ oder „Ich muss noch schnell …!“ haben uns Europäer zu Sklaven der Uhr gemacht. „Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit“, lautet ein afrikanisches Sprichwort und zeigt gut die kulturellen Unterschiede im Zeitempfinden quer durch alle Kontinente.

Kairos hingegen ist der Gott des wertvollen Moments, des Augenblicks. Was hat dieser Zeitpunkt für einen Einfluss auf mein Leben? Wie bedeutsam ist er für mich? Wie fühle ich die Zeit? Kairos verkörpert die Qualität der Zeit, ihren Wert für unser Leben.

Chronos bestimmt unsere Taktung – Kairos das Momentum

Heute hat Chronos einen festen Platz unter uns. Wir achten auf genaue Zeitabläufe und teilen unsere Zeit genau ein, um all unsere Aufgaben erledigen zu können. Häufig sind wir sogar verärgert, dass Chronos uns nicht mehr Zeit zur Verfügung stellt. Denn viel zu oft läuft uns die Zeit davon und wir werden mit unseren Erledigungen nicht fertig. Ständig hetzen wir Chronos hinterher.

Kairos nehmen wir nur selten wahr – er steht im Schatten von Chronos. Denn anstatt nach guter Zeit zu suchen, wollen wir meist nur „mehr“ Zeit. Dabei ist es Kairos, der unser Leben formt und unsere Erinnerungen gestaltet. Aus einem schönen Moment schöpfen wir tausendmal mehr Energie als aus drei Extra-Stunden: ein schönes Wort eines Freundes, ein Erfolgserlebnis oder ein gutes Essen. Ebenso können wir in einer einzigen Sekunde eine Entscheidung treffen, die unser ganzes Leben beeinflussen wird. Kairos bestimmt unser Leben viel mehr, als wir es uns häufig bewusst machen.

Warum Du Dich für den „richtigen“ Gott der Zeit entscheiden solltest

Die Zeit hat also zwei Aspekte: Die Menge – wie viel Zeit steht uns zur Verfügung? – und ihre Qualität.

Doch auf welchen Teil legen wir im Alltag mehr Wert?

Jeder von uns kennt diese Momente, in denen die Zeit rast – ein wunderschöner Augenblick oder ein Tag mit unglaublich vielen, interessanten Aufgaben. Und dann wiederum schleppt sie sich dahin, als wäre sie ein alter Mann, der nur noch mühsam einen Fuß vor den anderen setzen kann. Obwohl wir die Zeit in regelmäßige Einheiten wie Stunden, Minuten und Sekunden eingeteilt haben, empfinden wir sie doch alles andere als gleichförmig.

Zeit ist nicht nur das Ticken unserer Uhr, sondern auch die gefühlte Zeit, die wir mit unseren Erlebnissen verbinden. In einem einzigen Moment können wir so viel Bedeutsames erleben, dass er in unserer Erinnerung wie eine kleine Ewigkeit erscheint. Denn nicht nur die Menge an Zeit, die uns zur Verfügung steht, bestimmt unser Leben, sondern auch ihre Qualität.

Und deshalb sollten wir uns öfter darauf konzentrieren, Kairos zu finden und die Qualität unserer Zeit zu steigern, als hinter Chronos herzujagen. Denn die Menge der Zeit, die uns gegeben ist, können wir nicht vermehren, was immer wir auch tun. Wir können nur mit ihr wirtschaften.

Aber die kostbaren Momente können wir steigern und so unser Leben bereichern.

Mache Dir daher jeden Abend bewusst, wann du Kairos am heutigen Tag begegnet bist und was er Dir geschenkt hat.

Und überlege Dir auch zum Tagesauftakt, welche Kairos-Momente Du heute genießen willst.

Rücke Kairos ins Zentrum Deines Tuns.

Lös Dich von der Taktung und der Schlagzahl als Gradmesser Deines Erfolges, und achte mehr auf die schönen Momente und Deine Gefühle damit.

Hör auf, To-do-Listen zu schreiben, mach lieber eine Reisende-To-do-Sammlung.

Plan lediglich die Aufgaben und Aktivitäten in Deine Tage ein, die Du unbedingt, unbedingt, unbedingt erledigen willst oder musst.

Sei hier ganz kritisch!

Nicht alles, was wichtig und dringend daherkommt, eilt auch wirklich.

Lass Dir zwischen den Aktivitäten viel Luft.

Je kreativ-chaotischer (agiler) Dein Alltag ist, desto mehr Luft darfst Du lassen.

Vertrau auf den Fluss des Lebens.

„Go with the flow“, nennen es die Hawaiianer. Sei aktiv und gestaltend, aber verfall nicht dem Irrglauben, alles kontrollieren zu müssen oder zu können. Lass Dich auf das ein, was das Leben Dir vor die Füße spült. Das kann wesentlich schöner und besser für Dich sein als alles, was Du meinst „planen“ zu können. Kontrollier, was Du wirklich kontrollieren kannst und willst – alles andere lass laufen. Vertrau darauf, dass Du intuitiv die richtigen Prioritäten setzen wirst, und komm bei allem, was Du tust, in einen natürlichen Flow.

Sei kein Zeitmanager, sondern lieber ein Zeitsurfer, ein Momentum-Genießer, der seine Lebenswelle in die gewünschte und damit richtige Richtung reitet.

Mach Dir eine „To-feel-Liste“: Schreib auf, wie Du Dich heute fühlen möchtest. Glücklich? Fröhlich? Relaxt? Dankbar? Notier rückblickend, in welchen Situationen und Gelegenheiten Du besonders glücklich (fröhlich, relaxt, dankbar, …) gewesen bist. Das verschafft Dir automatisch Deine To-feel-Liste, mit der Du ganz einfach weitere schöne Momente in Dein Leben holen kannst.

Frag Dich dann: „Was kann ich tun, damit ich mich wieder so fühle?“ Welchen Moment willst Du heute erleben?

„Das Leben besteht aus schönen Augenblicken, man muss sie sich nur verschaffen.“
Ingomar von Kieseritzky, deutscher Schriftsteller

(Frisch aufbereitet im April 2021)

Teile gerne diesen Artikel in Deinen sozialen Medien