Gehörst Du auch zu den Menschen, die im Alltag „on fire“ sind? Ständig erreichbar? Ständig am Denken, ständig am Machen, ständig für das Wohl der anderen im Einsatz? Und kaum kommt das Wochenende, oder der „wohlverdiente“ Urlaub, juckt die Nase, kratzt der Hals, gehst Du in die Knie? „Post-Stress-Symptom“ oder „Leisure Sickness“ (Freizeit-Krankheit) nennen Forscher diese Art von Erschöpfung, Schmerzen oder Wochenendmigräne. Sie trifft uns, wenn der Stress abfällt, wenn Körper und Seele zur Ruhe kommen. Doch statt die Auszeit so richtig genießen zu können, laborieren wir mit Wehwehchen herum.

Da hilft es auch nichts, dass wir unseren Stress-Pegel künstlich hochhalten, indem wir beispielsweise auch im Urlaub für Chef, Kollegen und Kunden erreichbar sind. Immerhin 2/3 der deutschen Arbeitnehmer sind im Urlaub für den Arbeitgeber erreichbar, berichtet aktuell der Digitalverband Bitkom.  61 Prozent lesen in der Auszeit Kurznachrichten über Dienste wie iMessage oder WhatsApp. 57 Prozent bleiben für die Daheimgebliebenen in Jobfragen telefonisch erreichbar. Und jeder Vierte (27 Prozent) liest seine geschäftlichen E-Mails. Laut Bitkom hält sich die Erreichbarkeit weiter auf hohem Niveau, sei aber im Vergleich zum Vorjahr (71 Prozent) leicht zurückgegangen.

Leisure Sickness – es trifft die Engagierten

Ob erreichbar oder komplett „off“ – die Leisure Sickness macht da keinen Unterschied. Es reicht, wenn der Stress-Level nur ein wenig fällt – und schon liegen wir flach. Meist trifft es Menschen mit einer hohen Stressbelastung, aber auch Menschen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl, die sich schuldig fühlen, wenn sie mal „faul“ sind. Sie werden in der Freizeit viermal häufiger krank als Nicht-Gestresste, berichtet die Apotheken-Umschau. Der Grund: Unter Stress schüttet unser Körper Kortisol aus, das eine „Immunantwort“ auf Bakterien oder Viren wie Husten, Naselaufen & Co unterdrückt. Alle Anstrengungen des Körpers, um die bösen Feinde wieder loszuwerden, werden also unterbunden – äußerlich gesehen bleiben wir „gesund“.

Sobald wir jedoch entspannen, sinkt der Kortisolspiegel und die Kampftrupps legen los – wir werden krank. Der Ausweg? Bereits im normalen Alltag und vor allem in den Tagen vor dem Urlaub Stress reduzieren, mehr Pausen machen, sich an der frischen Luft bewegen. Je weniger gestresst Du ins Wochenende oder in den Urlaub startest, desto gesünder kannst Du die Auszeit erleben.

Gesund im Urlaub – so geht das

  1. Beobachte Dich,  wie emotional Du Dich belastet fühlst – und sorge frühzeitig immer wieder für Phasen, in den Du positive Gefühle hast. Beispielsweise mit der To-Feel-Liste (aus meinem Buch „111 Lifehacks“. Hier schreibst Du auf, welche Gefühle Du im Laufe eines Tages erleben willst (glücklich sein, herzhaft lachen, einen Motivationsschub spüren, sich mit anderen freuen, …) Das Schöne an dieser Liste ist, dass sie abends meist ganz von allein abgearbeitet ist, ohne dass Du viel dafür tun musstest. Allein der Gedanke an diese positiven Gefühle macht Dich achtsamer dafür.
  2. Mache im normalen Alltag regelmäßig Pausen. Ja, ich weiß, gerade DAS ist ja das Schwierige. Aber beobachte Dich mal: wir sind deutlich schneller und besser im Tun, wenn wir erholt und ausgeruht sind. Das heißt, die Zeit, die Du für Pausen investierst, die holst Du danach super-schnell auch wieder rein. Streue regelmäßig 5 Minuten im Laufe des Tages ein, in denen Du bewusst atmest, in Ruhe etwas trinkst, entspannst.
  3. Am schnellsten bauen wir Kortisol ab, wenn wir uns bewegen. Und das heißt jetzt nicht Joggen im Höchsttempo, sondern Bewegung in moderater Geschwindigkeit: zügig spazieren gehen, bewusst stramm in der Arbeit von einem Stockwerk ins andere, walken in der Natur. Experten zufolge reichen dreimal pro Woche 30 Minuten solcher Bewegungseinheiten aus, damit wir deutlich Stress reduzieren – und gesund in den Urlaub starten können.
  4. Fange bereits vor dem Urlaub an, Dich mental auf die Auszeit einzustimmen und Tempo aus dem Alltag zu nehmen. Koche bereits in den Wochen mit Freuden mal die Urlaubsküche nach (oder vor :-)) und höre Musik der Zieldestination.
  5. Gönne Dir bereits vor dem Urlaub Mini-Auszeiten, in denen Du zum Wellness gehen, Dich massieren lässt oder einfach nur am See abhängst.

Ich wünsche Dir einen gesunden Urlaub!

 

Auch wichtig:

So schön und erholsam die Urlaubs-Tage in Italien, USA oder auf Balkonien auch waren – neuesten Studien zufolge ist bei den meisten Berufstätigen die Auszeit-Gelassenheit nach nur einer Woche im Hamsterrad wieder futsch.

Retten Sie das Urlaubsfeeling in den Alltag. Unsere fünf erprobten Tipps helfen:

1. Nehmen Sie einen Urlaubstag zuhause
Kommen Sie nicht auf den letzten Drücker zurück. Planen Sie lieber einen bis drei zusätzliche Tage Urlaub zuhause ein, um in Ruhe sich zu akklimatisieren, den Jet-Leg auszuschlafen und daheim etwas Schönes zu unternehmen. Nehmen Sie sich bewusst an diesem Tag zuhause nichts oder wenig vor. Erlaubt ist es, die Koffer auszupacken, die Waschmaschine zu füllen, die Post grob durchzuschauen. Mehr nicht. Gönnen Sie Ihrem Körper und Ihrem Geist diese Ankunftszeit.

2. Seien Sie schon hier, aber doch nicht da
Verlängern Sie nach außen hin Ihren Urlaub um einen Tag oder zumindest einen halben Tag. Tragen Sie in Ihren (vernetzten) Büro-Kalender den ersten offiziellen Bürotag sich selbst noch als „abwesend“ ein oder notieren Sie eine Zeit-Insel „Überblick schaffen“. Das schützt Sie davor, dass in Ihrer Abwesenheit Ihr erster Tag gleich mit Terminen und Meetings durch Kollegen verplant wird und hält Ihnen den Rücken frei, sich in Ruhe um Post, Mails und Informationen zu kümmern. Führen Sie diese Idee in Rücksprache mit allen Kollegen und Vorgesetzen ein – alle werden Ihnen dankbar sein 🙂

3. Machen Sie „Out of Office“-Überstunden
Schreiben Sie in Ihrem Email-Abwesenheits-Assistenten, dass Sie einen Tag NACH Ihrem echten 1. Arbeitstag wieder da sind. Also konkret: „Ab 2. September erhalten Sie Antwort auf Ihre Mail“ – wenn Sie am 1. September wieder im Büro sind. Damit schaffen Sie sich unnötigen Druck vom Hals, jede Mail sofort beantworten zu müssen. Sie schaffen sich Freiraum. Out-of-Office-Könner, die diesen Tipp aus meinen Zeitmanagement-Seminaren erfolgreich in ihren Alltag übernommen haben, haben mir erzählt, dass sie die wichtigsten Mails zwar sofort am ersten Tag beantworten – aber erst am nächsten Tag abschicken.   berichten

4. Lächelnd den Berg erklimmen
Wenn wir viel zu tun haben, und nach dem Urlaub den Berg an unerledigter Arbeit sogar sprichwörtlich sehen, dann geht bei vielen die Laune in den Keller. Das Blöde dabei: je schlehcter unsere Laune wird, desto langsamer und uneffektiver werden wir. Nutzen Sie deshalb die So-tun-als-ob-Strategie. Tun Sie einfach so, als ob Sie sich regelrecht auf die Bergtour freuen, lächeln Sie, gehen Sie aufrecht, Schultern anch hinten, energischer Schritt. Ihr Körper sendet nun dem Gehirn die Botschaft „das packe ich leicht“ – und Sie werden tatsächlich viel mehr Energie haben – und behalten.

5. Kraft schöpfen
A
uch wenn es mit Blick auf das Aufgaben-Pensum schwer fällt: machen Sie in der ersten Arbeitswoche mehr Pausen. Das können eine genussvolle Mittagspause (ohne Arbeitsgespräche) sein, ein entspannter Plausch in der Kaffeeküche oder ein 20-sekündiger Blick vom PC-Bildschirm durchs Fenster in die Ferne. Pausen sind der Schlüssel zu langanhaltender Leistungsfähigkeit und Gelassenheit. Holen Sie sich auch Kraft, indem Sie kleine Mitbringsel aus dem Urlaub (Muschel, Souvenir) auf den Schreibtisch stellen und immer mal wieder kleine Gedankenpausen machen. Tanken Sie Urlaubsfeeling am Feierabend mit Ihrer Ferien-Lieblings-Musik, Ihrem Lieblingsessen und schönen Stunde mit Ihren Freunden.

Bonus-Tipp: Lassen Sie sich nicht hetzen. Nicht vom Nachhaken der Kollegen. Und auch nicht von den eigenen Ansprüchen. Sortieren Sie die offenen Aufgaben nach wirklich (!) wichtig und super-dringend. Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Woche länger im Urlaub geblieben. Wäre das schlimm gewesen. In den meisten Fällen nicht.

Geben Sie dem „Post-Holiday-Syndrom“ keine Chance – der nächste Urlaub kommt bestimmt.

 

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