Zeit nehmen ist der beste Weg, um Zeit zu haben

10. Dezember 2018
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Wie oft sagen wir „Ich habe keine Zeit für Sport!“, „Ich habe keine Zeit, einfach faul auf der Couch zu liegen!“. Und dabei wissen wir doch alle: wir werden nie die Zeit dazu haben, wenn wir uns die Zeit dazu nicht nehmen. Im Kern ist das banal – aber in der Alltags-Hektik vergessen wir es oft.

Aus diesem Grund bin selbst ich als Kreative Chaotin dazu übergegangen, mir frühzeitig Zeitinseln zu verschaffen. Damit ich endlich das tun kann, worauf ich schon so lange Lust habe – aber irgendwie bisher nie die Zeit gefunden habe. Zeitinseln sind wunderschöne Momente im hektischen Terminchaos – und bescheren uns Entspannung und Kraftschöpfpausen.

Und so nehmen Sie sich am besten Zeit:

Große Zeitinseln

Nehmen Sie sich in den kommenden Tagen Ihren Jahreskalender und blocken Sie sich Tage schon lange im voraus, die Sie dann ganz für sich nutzen können: Geburtstage der Kinder, ein Wellness-Wochenende in Ihrem Lieblingshotel oder ein paar Badetage am See. So können Sie andere Termine drum herum ansetzen und haben Spaß- und Erholungsmomente in Sicht, auf die Sie sich freuen können.

Kleine Zeitinseln

Sie merken, dass etwas andauernd zu kurz kommt? Ein bisschen Sport zwischendurch, ein schönes Abendessen…… Reservieren Sie sich in den nächsten paar Tagen Zeitinseln, in denen Sie genau das machen können, was schon so lange auf der Strecke bleibt. Tragen Sie diese als „Termin mit mir selbst“ tatsächlich in Ihren Terminkalender ein, das hilft, andere Anfragen für diese Zeit abzublocken. Nehmen Sie diese Zeitinseln auch ernst und behüten Sie sie wie einen wertvollen Termin.

Spontane Zeitinseln

Gönnen Sie sich selbst immer wieder spontane Zeitinseln, für die Sie sich nichts vornehmen – wirklich nichts! Und freuen Sie sich darauf, einfach mal Zeit für sich selbst zu haben.

Zeitinseln im Büro

Nutzen Sie Zeitinseln auch bei offenen Terminkalendern im Büro. Blocken Sie sich gezielt Termine, an denen Sie Ihre eigenen Aufgaben erledigen können, vor allem, wenn Sie ständig das Gefühl haben, von anderen verplant zu werden. Auf Nachfragen Ihrer Kollegen antworten Sie am besten einfach mit „Da bin ich beschäftigt.“ Wenn Sie genug Nachdruck in Ihre Stimme legen, wird auch keiner mehr nachfragen.

Zeitinseln oder Blocker können Ihnen allerdings nur dann helfen, wenn Sie sie auch wirklich ernst nehmen. Wenn Sie sie verteidigen, und gleich gleich bei der ersten Anfrage wieder einknicken. Ja, ich wieß, besonders für die Hanni Herzlichs unter uns ist das eine Challenge – aber stärken Sie sich den Rücken, es zu tun! Geben Sie Ihre Zeitinseln, Ihre Me-Time, Ihr Date-mit-mir-selbst nur in äußersten Notfällen auf, denn sie sind die Momente, die Ihnen gut tun und Ihnen neue Kraft geben.

Mit Konzepten mehr Produktivität, Ruhe und Gelassenheit erleben

Nutzen Sie diese Impulse auch gleich mal, um generell Ihre Tagesgestaltung zu hinterfragen. In meinen Büchern und Seminaren spreche ich ja nicht von „Planung“ (das ist ein Wort und eine Herangehensweise für die Systematiker  unter uns), sondern von „Konzepten“. Der Grund: ein „Konzept ist ein grober Entwurf, eine erste Skizze, was wir tun wollen – und jederzeit ist die Einladung eingebaut, hier die Dinge zu verändern. Gut für Kreative Chaoten und für Menschen in einem agilen Umfeld.

Gute Konzepte können Wunder wirken, damit wir Kreative Chaoten nicht nur in den Tag hineinleben, sondern am Ende auch noch Zeit für uns haben.

Setzen Sie Ihre Zeit bewusst ein

Überlegen Sie sich, wann Sie in der Regel fit sind – und was das für Ihre Tagesgestaltung bedeutet. Wann eignet sich welche Aufgabe am besten? Die meisten Menschen haben Mittags ihr Tief. Warum dann nicht die unwichtigeren Emails beantworten? Oder ein längst fälliges Gespräch mit den Kollegen führen? Langweilige Excel-Tabellen ausfüllen? Wenn Sie auf Ihren Biorhythmus achten, gehen die Aufgaben viel leichter von der Hand.

Zeit beschränken

Wie viel Zeit geben Sie sich für Aufgaben? Hier kann zu viel genauso fatal sein wie zu wenig. Wenn Sie zu viel Zeit einplanen, werden Sie am Ende auch so lange brauchen, denn Arbeit nimmt sich den Platz, den wir ihr geben. Setzen Sie sich in diesem Fall sehr knappe Zeiten. Viele Kreative Chaoten verwechseln aber auch gerne die Zeit, in der sie etwas schaffen wollen mit der Zeit, in der sie etwas schaffen können („Das schaff ich heut locker noch!“). Falls Sie zu diesen Kandidaten gehören, geben Sie immer noch einmal die Hälfte der Zeit drauf, die Sie eigentlich dafür ansetzen würden. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

„Fluggs“ vor allem anderen

Erledigen Sie die nötigen Dinge zuerst. Dazu gehören vor allem „noch kurz in die Dusche springen“, „ganz schnell mein Zeug packen“ und „fluggs noch ein paar Emails schreiben“. So „fluggs“ funktioniert das nämlich meist doch nicht und dann kommen wir ins Rudern. Schieben Sie Aufgaben, die sowieso getan werden müssen, nicht bis zum letzten Drücker auf. Erledigen Sie sie zwischendurch, wenn kein Zeitdruck besteht.

Nutzen Sie Puffer

Irgendwas kommt immer dazwischen: der Zug hat Verspätung, der Sohn hat sich mal wieder das Knie aufgeschlagen oder die Aufgabe entpuppt sich als Riesen-Monster. Gehen Sie deshalb großzügig mit Puffern um und schaffen Sie sich Luft. Packen Sie auf jede Tätigkeit nochmals die gleiche Zeit an Puffer drauf – für wirkliches Arbeiten, unvorhergesehene Störungen und Trödeln. Plötzlich haben Sie auch Zeit für nicht ganz so wichtige Aufgaben, die Sie ganz leicht zwischenrein schieben können. Aber gehen Sie nicht der Versuchung auf den Leim, die Puffer mit einzuberechnen: „Eine Stunde Arbeit, eine Stunde Puffer: Da hab ich also zwei Stunden Zeit.“

Entwickeln Sie Rituale oder Routinen

Routine ist eigentlich ein absolutes „Bäh-Wort“ für Kreative Chaoten – nennen Sie es lieber Rituale . Routinen und Rituale haben den großen Vorteil, dass sie uns das Nachdenken ersparen. Und denken kostet Zeit. Kleine Routinen erleichtern unseren Alltag ungemein: jeden Samstag Wäsche waschen, Montag abends Schwimmen gehen, jeden Morgen fünf Minuten Turbo-Aufräumen… Und wenn das mal nicht in unsere spontanen Pläne passt, dann wird es halt verschoben. Ausnahmen gehören schließlich zur Routine 🙂

Time-Boxing nur für die wirklich wichtigen Aufgaben

Viele Menschen nutzen Tagesplanung, Time-Boxing, Zeitblocker oder wie immer sie es nennen, um alle Aufgaben penibel zu planen. Halten Sie sich an Ihre Pläne, und haben Sie Freue dabei? Dann bitte weiter so! Wirft das wahre Leben aber immer wieder die sauberen Pläne über den Haufen, und/oder Sie kostet es viel Energie, diese akkuraten Kalendereinträge zu machen, dann lassen Sie bitte viiiiiiiiieeeeeel Luft in Ihren Kalendereinträgen. Schreiben Sie nur die Aufgaben und Aktivitäten rein, die Sie unbedingt, unbedingt machen wollen – alles andere lassen Sie in Ihrer „Reisenden-To-Do-Sammlung“. Das erspart Ihnen viel Frust und wertvolle Lebenszeit, weil Sie Unterledigtes nicht immer und immer wieder anpacken müssen.

Noch Bedenken, dass Sie vom Kurs abkommenw erden? Dann helfen vielleicht die Tipps gegen die Hindernisse aus diesem Artikel :-)

Viel Spaß damit, sich ab sofort mehr Zeit zu nehmen 🙂

Mehr Impulse, wie Sie mit Konzepten Ihre Aufgaben und Tage gestalten können gibt es in meinem 2-Tage-LIVE-Power-Seminar Seminar „Kreatives Zeit- und Prioritätenmanagement“, im Buch „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?“ oder im 10-Tage-Online-Kurs „Mehr Zeit für mich“ in Sonder-Editionen für Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte.

Beitrag frisch für Sie aufbereitet in Dezember 2018.

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Kerstin

Liebe Cordula,
Immer wieder schaue ich in Dein Buch: Organisieren Sie noch, oder leben Sie schon.
Es gibt immer wieder erwachende Impulse, hilfreich und dennoch ist die tägliche Übung innerhalb meiner Selbstständigkeit die dankbare Entwicklung der Routine – Erfahrungen im Umgang mit seinen Fähigkeiten und dem guten Zeitmanagementsystem von Dir. Hab Dank und verbreite weiter Deine wertvollen Tipps! Herzlichst Kerstin

seelenklempnerei

Guter Vorsatz.. Ich bin aber ebenso kreativer Chaot bzw. in einer Seelenklempnerei angestellt. Da brauch eich Bilder im Kopf, die mir meine Zeitinsel visuell verdeutlichen. Vielleicht auch im Verhältnis zu den Zeitfressern ?

Ich arbeite sehr gerne mit inneren Bildern bzw. „Planeten“ lebendigen Bildern aus Harry Potter und Co und warum sollte man sich nicht auch seine Zeitinsel visualisieren können ?

Cordula Nussbaum

Das ist doch eine SUUPerIdee!

Susanne Reinig

Ja, Zeitpuffer und Zeitinseln, das fehlt in meinem Konzept und manchmal bräuchte ich einen Klingelton, der mir Einhalt gebietet und mich ermahnt, weiterzutun. Da sitze ich nach dem Mittagessen auf der Couch und lese und merke gar nicht, dass ich schon längst weiterarbeiten wollte, einfach weil das Buch oder der Artikel soooo spannend waren. Und dann ärgere ich mich maßlos, weil alles wieder umgeplant werden muss.