Mentaltraining? Super! Besonders aus dem Sport hören wir immer wieder, dass Athleten mit Visualisierungs-Übungen und positiven Affirmationen große Erfolge erzielen. Das habe ich auch versucht! Immer wieder wollte ich meine Projekte stemmen mit ganz viel positiven Sätzen und guten Bildern. Doch geholfen hat es nichts. Doch jetzt kenne ich das Erfolgsgeheimnis.

Nach meinem Bandscheibenvorfall wollte ich meine Ängste überwinden, indem ich mir vorstellte, wie ich wieder ganz sicher eine Skipiste runterwedele, wie ich mich wieder voller Spaß rückwärts auf das Trampolin in unserem Garten plumpsen lasse, wie ich beim hohen Tempo einer Steppaerobic-Stunde im Fitnesscenter mithalte, wie ich selbstsicher die Reling eines Segelbootes entlanggehe – ohne Angst davor zu haben, blöd zu fallen und mir wieder wehzutun.

Mentaltraining? Gut für eine Popo-Landung

Hatten Sie schon mal einen Bandscheibenvorfall? Dann wissen Sie vielleicht, wie heftig diese Schmerzen sind. Und dass es die Angst vor einem wiederholten Vorfall ist, die die Patienten in eine Schonhaltung „zwingt“, was wiederum Gift für unsere Lebensfreude ist. Gut, ich hatte ja in den letzten Jahren viel gelesen und gehört über die Kraft der Gedanken und speziell des Visualisierens; doch trotz bester Absichten und vielen, vielen Affirmationen wackelte ich ein Jahr nach der OP wie eine alte Oma, festgekrallt am Arm meines damals siebenjährigen Sohnes, einen abschüssigen regennassen Kopfsteinpflasterweg in Kroatien hinunter, als es mir die Füße unter dem Körper wegzog und ich unsanft und heulend auf meinem Hinterteil landete. „Ich bin zu blöd zum Visualisieren!“, beschimpfte ich mich. Und auch in der Steppaerobic-Stunde, als ich hoch konzentriert alle Schritte mitmachen wollte, knallte ich vom Stepper und verletzte mich erneut.

Und dann habe ich die blinde Biathletin Verena Bentele kennengelernt. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie eine Blinde Biathlon machen kann – Langlauf und Schießen? Wie soll das gehen? Das Geheimnis besteht darin, dass die blinden Sportler einen (sehenden) Vorausfahrer haben, der ihnen genau die Strecke beschreibt, der exakt angibt, was kommt (Biegung links, Steigung, Biegung rechts, Senke), und dem sie hundertprozentig vertrauen müssen. Nun passierte es ihr 2009, dass sie – aufgrund eines Kommunikationsfehlers, wie sie es nennt – aus der Langlaufspur flog und sich schwer verletzte. Wochenlang lag sie im Krankenhaus, es war unklar, wie es mit dem Sport weitergehen könnte. Und das Schlimmste war, so erzählte Verena, dass sie kein Vertrauen mehr hatte in ihren Vorfahrer – und auch nicht mehr in sich selbst. Selbst den kleinen Hügel in München von der Theresienwiese hinunter konnte sie nicht mehr fahren.

Ich hörte ihr zu und dachte: „Tja, Sportler die haben doch die besten Trainer, auch Mentaltrainer, da muss sie halt einfach besser visualisieren.“ Aber was sie dann sagte, das haute mich um. Verena erzählte, dass sie nun wieder ganz klein anfangen musste mit dem Langlaufen. Eine Ministrecke fahren. Aufhören. Einen winzigen Buckel überrutschen. Aufhören. Und in ganz, ganz kleinen Schritten ging sie voran. In ganz, ganz kleinen Schritten baute sie ihr Selbstvertrauen wieder auf – bis sie 2010 fünfmal Gold bei Olympia holte.

Nicht Visualisieren und Mentaltraining baute ihr Selbstvertrauen auf, nein, es war das Tun. Das aktive Handeln in kleinen Schritten.

Wie erstarrt saß ich auf meinem Stuhl und erkannte die Sinnlosigkeit meines „Mentaltrainings“. Ich hatte mich in der Theorie wieder völlig fit gesehen, aber in der Praxis meinen Körper nach dem Bandscheibenvorfall immer überfordert. Nach dem Motto „Stell dich nicht so an – gleich ab auf die schwarze Piste“ und „Auf geht’s zur Steppaerobic“. Ganz oder gar nicht! Wenn schon, denn schon.

Völlig falsch. Und dann begann ich auch in kleinen Schritten das Vertrauen in meinen Körper wiederzufinden. Drei Minuten stehen auf einem Wackelbrett. Langlaufen in der Ebene statt in der Hügellandschaft. Und siehe da – es wurde jeden Tag besser, mein Selbstvertrauen stieg.

Und genau so ist es in unserem Leben, wenn wir Dinge verändern wollen. Machen Sie kleine Schritte, stemmen Sie kleine Herausforderungen. Die gute Botschaft dabei: Es ist egal, in welches Neuland Sie sich vorwagen. Denn jeder kleine Erfolg, egal auf welchem Gebiet, schenkt uns Selbstvertrauen auch auf anderen Gebieten. Beginnen Sie mit drei Minuten Gleichgewichtstraining auf dem Wackelbrett, dann turnen Sie irgendwann durch den Hochseilgarten und schließlich wechseln Sie Ihren Job.

Lernen Sie, für sich einzustehen. Sagen Sie morgen im Restaurant: „Nein, das Essen hat nicht geschmeckt.“ Dann sagen Sie in drei Tagen zu Hause: „Nein, lieber Sohn, deinen Hamster bringe ich heute nicht zum Tierarzt.“ Und in einer Woche sagen Sie endlich den Kollegen, dass Sie künftig nicht immer als Einzige das Meeting-Protokoll schreiben.

Wir trauen uns mehr, wenn wir mehr Selbstvertrauen haben! Suchen Sie sich deshalb immer wieder neue Herausforderungen – und stärken Sie damit Ihr Selbstvertrauen und Ihren „Geht-doch“-Mut.

Quelle: Geht ja doch! Wie Sie mit 5 Fragen Ihr Leben verändern, S. 135f.

Denk-Bar-Aufgabe dieser Woche:

Mit welchen Mini-Schritten können Sie diese Woche Ihr Selbstvertrauen stärken? Wo hat bei Ihnen Mentaltraining auch mal versagt und was hat geholfen? Oder: wo konnte Mentaltraining Ihnen den Weg ebnen?

Schreiben Sie Ihre Projekte und Ideen gerne hier als Kommentar. Und auch Mentaltrainings-Ideen, die Ihnen bei früheren Projekten gute Dienste geleistet haben. Wir freuen uns auf viele inspirierende Ideen!

Willkommen in unserer “wunderbaren Denk-Bar”.

Hier erhalten Sie jeden Dienstag einen Impuls zum Nach-Denken, Vor-Denken, Mit-Denken. Denn alles was denk-bar ist, kann mach-bar werden. Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann gerne in Facebook, Twitter & Co. über die untenstehenden Buttons teilen. Damit Sie sich gut eindenken können poste ich manchmal auch bereits am Montag.

„Wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorstellst, dann stell dir etwas anderes vor“ – Polynesische Weisheit. Ja, wenn es nur immer so einfach wäre 🙂 Wie häufig beißen wir uns an unseren Vorhaben fest, vergeuden eine Menge Zeit und Energie, weil wir es auf Biegen und Brechen „durchziehen“ wollen. Oder weil wir nach dem Motto erzogen wurden: „Wer A sagt, muss auch B sagen!“ Heute wollen wir mal………. bewusst mit unseren Vorhaben brechen. Besonders mit denen, bei denen Sie sich zu sehr festgebissen haben. Denken Sie einen Moment nach: welche Pläne verfolgen Sie bereits länger – und mit weniger Energie und Lust denn je? Was wäre eine Alternative zu diesem Vorhaben? Was könnten Sie sich ANDERES vorstellen?

Und dann probieren Sie es aus.

Das Interessante: häufig, wenn wir Dinge loslassen – dann klappen sie plötzlich. Und selbst wenn nicht: Altes loszulassen macht den Weg frei für Neues.

Durchhänger? Ferien-vorbei-Blues? Latente Unlust? Wer in einer zeitweiligen Null-Bock-Phase steckt, der kann sich mit der „Als-ob-Strategie“ schnell in eine neue – positive – Verfassung bringen. In meinem Buch „Geht ja doch!“ erkläre ich das für diejenigen, die ihr Geht-ja-doch-Projekt anpacken wollen. Doch egal wozu Sie die Strategie einsetzen – sie hilft. Garantiert!

Sie haben gerade einfach keine Lust auf Nichts? Ihr Durchhänger ist enorm? Sie glauben, Sie sind noch nicht gut genug, um Ihre Projekt-Idee umzusetzen? Sie glauben immer noch, dass Sie es nicht schaffen werden? Sie befürchten, Ihnen fehlt der Mut oder das Durchhaltevermögen? Bringen Sie sich auf den richtigen Weg mit der „Als-ob-„Strategie. In seinem kurzweilig zu lesenden Buch Machen, nicht denken! geht Richard Wiseman mit den herkömmlichen Mentaltheorien streng zu Gericht – und kehrt die Ursache-Wirkungs-Kette um.

Normalerweise denken wir wie folgt:

Sie fühlen sich glücklich ⇨ Sie lächeln.

Sie haben Angst ⇨ Sie laufen davon.

Nach der Als-ob-Theorie klappt es auch andersherum:

Sie lächeln ⇨ Sie fühlen sich glücklich.

Sie laufen davon ⇨ Sie haben Angst.

Durchhänger meistern

Vielleicht haben Sie von dieser Sichtweise schon mal gehört; und auch ich habe schon vor Jahren in meinen Büchern auf den Zusammenhang von Körperhaltung und Stimmung, auf die magische Wirkung eines Lächelns auf unsere Laune oder auch auf das „Geheimnis“ von Lachyoga hingewiesen. Und sicherlich kennen Sie den legendären Cartoon der Peanuts, in dem Charles M. Schulz seinen Helden Charlie Brown an einer Stelle sagen lässt: „Wenn du deprimiert bist, ist es ungeheuer wichtig, eine ganz bestimmte Haltung einzunehmen … Das Verkehrteste, was du tun kannst, ist aufrecht und mit erhobenem Kopf dazustehen, weil du dich dann sofort besser fühlst. Wenn du also etwas von deiner Niedergeschlagenheit haben willst, dann musst du so dastehen.“

Machen statt nur Vorstellen

Ja, unsere Körperhaltung und Mimik beeinflussen und verstärken unsere Stimmung. Doch noch viel mehr beeinflusst uns das, was wir tun. Was tun Sie, wenn Sie glücklich sind? Die meisten von uns singen, pfeifen, tanzen oder umarmen andere Menschen. Drehen Sie die Ursache-Wirkungs-Kette um! Sie möchten sich glücklich fühlen? Dann verhalten Sie sich so, als ob Sie glücklich wären. Fangen Sie an zu singen, machen Sie ein paar Tanzschritte, pfeifen Sie eine fröhliche Melodie, umarmen Sie einen lieben Menschen. Und Sie werden merken, wie Ihr Glücksbarometer steigt, wie Sie Glückshormone ausschütten. Also, machen Sie sich diesen Effekt zunutze! Sie fühlen sich gerade mal wieder völlig wertlos, getreten von der Welt, verlassen von allen? Dann tun Sie ein paar Minuten lang so, als ob Sie vor Selbstwertgefühl nur so strotzen – und Sie werden merken, wie sich Ihre Gefühle verändern. Schreiten Sie, statt zu schlurfen, denn allein schon die Gangart hat einen Einfluss auf unsere Stimmung.

Ein anderes Beispiel zum Umdrehen der Ursache-Wirkungs-Kette: Wenn wir verliebt sind, dann haben wir in Anwesenheit unseres Schatzes einen erhöhten Pulsschlag. Wir interpretieren unsere hohe Herzfrequenz als Zeichen des Verliebtseins. Wiseman zitiert nun Experimente, bei denen der Herzschlag der Probanden künstlich beeinflusst wurde (Joggen auf der Stelle oder Anschauen eines gruseligen Films versus Stehen oder Anschauen eines Films über Frösche). Im Anschluss bewerteten die Versuchsteilnehmer die Attraktivität einer Frau. Auffällig dabei: Alle Männer mit erhöhtem Herzschlag fanden die Frau attraktiver als diejenigen mit dem „langweiligen“ Vorprogramm. Sein Ratschlag: „Wenn Sie sich auf ein Rendezvous begeben, vermeiden Sie Spaziergänge auf dem Lande und Meditationsgruppen und gehen Sie stattdessen in Freizeitparks, über hohe Brücken, zu Comedy-Shows und in Kinos, die gruselige Filme (…) zeigen.“ Klingt einleuchtend.

Mehr Motiviation. Mehr Selbstwert. Mehr Power.

Was können Sie daraus für Ihr Selbstwertgefühl und Ihr Selbstvertrauen ableiten? Gerade wenn Sie mal wieder die Zweifel über-kommen, ob das alles so gut ist, was Sie tun, ob Sie das überhaupt schaffen, dann tun Sie einfach so, als ob alles gut ist. Werfen Sie Ihre Zweifel über Bord, und tun Sie so, als ob alles rundläuft.

Das heißt für mich allerdings jetzt nicht, die eigenen Gefühle, Ängste und Befürchtungen durch ein scheinbar vor Selbstvertrau en strotzendes Gehabe zu übertünchen. Nein! Die Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber, der ehrliche Blick auf die eigene Person ist für mich der beste Schlüssel zu Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Die Als-ob-Methode kann allerdings helfen, wenn nach dem aufmerksamen Hinschauen trotzdem immer wieder die Zweifel und Ängste hochkommen, wenn sie wieder und wieder das Kommando übernehmen. Denn dann sind wir in einem Stadium, in dem wir uns nur noch selbst zerfleischen und uns im Kreise drehen. Dann sind wir gefangen in unserem „Mindfuck“, so meine Kollegin Petra Bock, und hier finde ich den Einsatz der Als-ob-Strategie mehr als legitim.

Sie kann Ihnen übrigens auch helfen, wenn Ihnen im Laufe der Zeit die Motivation ausgeht und Sie Probleme haben, am Ball zu bleiben. Wenn Ihr innerer Schweinehund Sie wieder auf die Couch zwingt statt in die Joggingschuhe oder Sie nur geistig in Ihrer „Eigentlich“-Welt sind („Eigentlich wollte ich den Sprach kurs jetzt machen, aber …“). Egal welchen Durchhänger Sie gerade erleben – in diesem Fall kann es hilfreich sein, sich so zu verhalten, wie Sie gerne sein wollen. Sie kommen nach der Arbeit nach Hause, die Couch winkt – und Sie lassen sich gar nicht auf die Diskussion mit dem inneren Schweinehund ein, sondern verhalten sich einfach so, als ob Sie sportlich wären. Sie verhalten sich so, als ob Sie ein begeisterter Sprachenlerner wären. Und Sie werden sehen – Sie tun es tatsächlich.

Nicht nachdenken – ausprobieren

Vielleicht klingt das für Sie jetzt arg theoretisch und unglaublich. Aber probieren Sie es einfach aus. Ich habe seit Anfang 2014 die Als-ob-Strategie sehr bewusst in meinen Alltag integriert. Und zwar gestalte ich jeden Tag so, als ob ich sportlich und voller Selbstvertrauen wäre. Das Resultat: Ich fahre seitdem viel häufiger mit dem Fahrrad ins Büro, nehme viel häufiger die Treppe statt den Aufzug, gehe viel häufiger morgens erst mal eine halbe Stunde walken. Und ich trainiere meinen Mut für „Balanceakte“, indem ich so tue, als ob ich sicher auf nassem Kopfsteinpflaster gehe, als ob ich sicher die Reling entlangbalanciere. Und siehe da: Es wird immer besser. Mein Selbstvertrauen wächst mit dem Tun. Und ich habe seitdem acht Kilo abgenommen.

Mein Wunsch ist, dass Sie Ihr „Geht-ja-doch“-Projekt anpacken können. Mit viel Mut und viel Selbstvertrauen! Lassen Sie sich von Rückschlägen, einem Durchhänger oder blöden Kritikern, auf deren Meinung Sie eh keinen Wert legen sollten, nicht entmutigen. Nehmen Sie Kritik als mögliche Lernlektion an – oder vergessen Sie sie. Sie brauchen nicht perfekt zu sein, um Ihr „Geht-ja-doch“-Projekt zu realisieren. Im Gegenteil. Denn perfekte Menschen sind langweilig. Oder wie Zsa Zsa Gabor sagt: „Menschen, an denen nichts auszusetzen ist, haben nur einen Fehler: Sie sind uninteressant.“

Quelle: Geht ja doch – Wie Sie mit 5 Fragen Ihr Leben verändern, S. 137 ff; überall im örtlichen Buchhandel (einfach online bestellen und in der Filiale abholen) oder auch über amazon, oder ebook.de

Sie wollen mit Durchhalte-Garantie durchstarten? Dann könnte das eCoaching Gehtjadoch! etwas für Sie sein.

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