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Wie der Marshmallow-Test uns erfolgreicher macht (Podcastfolge #072)

27. August 2018

Kennen Sie den Marshmallow-Test? Er soll beweisen, wie gut wir Belohnungen aufschieben können – und wie erfolgreich uns das macht. Lange Zeit hielt ich den Test für ein phantasievolles Psychologen-Konstrukt. Bis ich eines Tages um Mitternacht lernte, wieviel Wahrheit er ans Tageslicht bringen kann. In meinem neuen Buch „LMAA – 66 Miniplädoyers für mehr Mut, Leichtigkeit und Gelassenheit“ (erscheint am 10. September, jetzt schon vorbestellbar) erfahren Sie in Kapitel 38, was Sie von einem Marshmallow lernen können.  In der neuen Podcast-Episode habe ich Ihnen das Kapitel mitgebracht – und noch einige Gedanken darüber hinaus.

Außerdem erfahren Sie in der Episode, wie Sie den Marshmallowtest nutzen können, um erfolgreicher zu werden und Ihre Willenskraft zu stärken.

So kommen Sie an die Episoden des Podcast Zeitmangement:

 

 

 

Oder gleich hier direkt am PC anhören:

Sie lesen lieber? Das Wichtigste zum Marshmallowtest auf einen Blick

Auszug aus LMAA, S. 104 ff.

„Im Jahr 2010 hielt der Motivationsredner Joachim de Posada auf einem Kongress in Köln einen Vortrag mit dem Titel »Don’t Eat the Marshmallow … Yet!«.

Er präsentierte darin ein Experiment des Psychologen Walter Mischel, den »Marshmallow-Test« aus den 1970er-Jahren. In Videosequenzen wurden wir Zuschauer Zeugen, wie vier- bis sechsjährigen Kindern ein Marshmallow vorgesetzt wurde und sie die Wahl hatten – sofort aufessen oder warten, um später zwei zu bekommen? Das Studienfazit lautete: Kinder, die die Belohnung herauszögerten, seien im erwachsenen Leben erfolgreicher, würden mehr verdienen, besser leben, glücklicher sein.

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(c) by Igor Normann – Fotolia

Ich fand diese Schlussfolgerung zu kurz gegriffen. Für mich hing die Entscheidung der Kinder »gleich essen oder warten« mit Faktoren zusammen wie »Mag ich überhaupt Marshmallows? « (wäre ich als Kind dabei gewesen, ich würde heute noch im Labor sitzen), »Bin ich hungrig?« oder »Will ich heim zum Spielen und deshalb nicht auf den Studienleiter warten?«. Gut, mag sein, dass die Studienleiter all diese Faktoren berücksichtigt hatten, das habe ich nicht nachrecherchiert. Meine Wahrnehmung war: Erfolg im Leben hat nichts damit zu tun, ob ich auf ein zweites Marshmallow warte oder nicht.

Und davon war ich überzeugt – bis ich auf einer Seminarreise Taxi fuhr. Ein sehr netter Fahrer nahm mich am Straßenrand auf. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte, dass er sehr erfolgreich sei, viel Umsatz mache, viel Trinkgeld bekäme und sehr zufrieden sei mit seiner Tätigkeit.

Das widersprach komplett den Klagen, die ich normalerweise von Taxifahrern höre, und ich wurde neugierig. »Wie machen Sie das?«, fragte ich ihn. »Ich fahre überwiegend Stammkunden, zu fest vereinbarten Zeiten, und somit habe ich eine super Auslastung, keine Wartezeiten und nur nette Fahrgäste.« Mich habe er jetzt aufgenommen, weil er heute keine Termine mehr habe und deshalb viel Luft, egal wo ich hinwolle. »Glückwunsch zu Ihrem Geschäftsmodell – ich verstehe nicht, warum das Ihre Kollegen nicht auch so machen. Das kann doch jeder, sich so aufstellen.«

»Nein«, widersprach er. »Das kann nicht jeder. Denn die meisten Kollegen, die fixe Termine vereinbaren, wollen dann doch noch schnell Geld mitnehmen, nehmen spontan Gäste auf – und versäumen dann den vereinbarten Termin. Sie könnten mein Modell nicht umsetzen, weil ihnen der schnelle Umsatz wichtiger ist als der langfristige Erfolg.«

Der Marshmallow-Test fiel mir ein. Hatten Mischel und de Posado doch recht? Noch war ich nicht überzeugt.

Wieder in München gelandet, fuhr ich nachts vom Flughafen mit dem Taxi zu mir nach Hause. Gleich nach dem Losfahren begann der Fahrer hektisch zu telefonieren. Seiner Stimme konnte ich entnehmen, dass er ein Problem hatte. In einer Gesprächspause fragte ich ihn dann auch direkt danach. Erst sagte er nein. Und dann: »Ich hätte eigentlich um 23.50 Uhr eine bestellte Fahrt am Flughafen abholen sollen, aber jetzt habe ich ja Sie im Auto.« Es war 23.35 Uhr. »Leider kann auch mein Schwager nicht, und mein Sohn auch nicht.« »Und jetzt?«, fragte ich. »Nun, der wird schon merken, dass ich nicht komme, und sich dann eben ein anderes Taxi nehmen.«

In diesem Moment wusste ich, dass der Marshmallow-Test stimmt. Wenn ich nachts ein Taxi vereinbart habe, und der kommt einfach nicht – den Fahrer würde ich nie wieder anrufen. Du? Wer es schafft, eine schnelle Belohnung aufzuschieben zugunsten einer größeren Belohnung – ja, jetzt bin ich sicher, der wird langfristig erfolgreicher, glücklicher und sicherlich auch finanziell besser dastehen.

»Delayed gratification« nennen Psychologen den Effekt. Aufgeschobene Belohnung. Wo kannst Du einen schnellen Erfolg zugunsten einer späteren, reicheren Belohnung sausen lassen? Wo kannst Du mit Geduld warten, bis Deine Saat aufgeht – anstatt die ersten Keime des Erfolges aus dem Boden zu reißen? Was ist Dein Marshmallow, das Du viel besser erst später isst?“

Und weitere Gedanken zum Marshmallowtest

An dieser Stelle endet das Kapitel in meinem Buch – doch hier im Podcast möchte ich noch ein paar Gedanken hinzufügen. Mittlerweile habe ich das Buch von Walter Mischel gelesen – es erschien erst 2015, und im BLOG werde ich demnächst mehr zum Buchinhalt schreiben. Heute will ich Ihnen aber schon mal verraten, dass die Psychologen nach und nach die Fragen, die ich mir stellte, natürlich berücksichtigt hatten. Sie setzten den Kindern nicht nur Marshmallows vor, sondern eine Süßigkeit, die die Kinder haben wollten – nach Wahl waren es dann auch Oreo-Kekse oder anderes. Und später fingen sie auch an zu fragen, warum die Kinder den Versuchsleiter geholt hatten. „Wir mussten beispielsweise ausschließen, ob das Kind nicht einfach nur aufs Klo musst“, schreibt Mischel.

Ungeplante Erkenntnisse

Interessant fand ich, dass Mischel damals eigentlich nur zum Thema „Belohnaufschub“ forschen wollte – den Zusammenhang zum späteren Erfolg als Erwachsener fand er eher zufällig, als er sich mit seinen Töchtern darüber unterhielt, wie es den Kindergarten-Freunden von früher ginge. Er stellte einen langfristigen Zusammenhang fest zwischen der Fähigkeit zum Belohnungsaufschub im Kindesalter und der Selbstkontrolle im Erwachsenenalter. Kinder, die im Vorschulalter länger auf eine Belohnung warten konnten, waren im Jugendalter und im Alter zwischen 25 und 30 Jahren zu stärkerer Selbstkontrolle fähig und neigten in Stresssituationen weniger zu Panik. Außerdem waren sie selbstbewusster und höher gebildet, anpassungsfähiger und konnten besser soziale Beziehungen aufrechterhalten. Kurz: Sie waren in vielerlei Hinsicht lebenstüchtiger.

So, und wenn Sie jetzt glauben – Mist! Ich hätte mich auch über die Süßigkeit hergemacht – kann ich jetzt nicht mehr erfolgreich sein? Oder weniger stressanfällig? Ruhig Blut! Der Grund, warum wir einmal impulsiv die Belohnung schnappen ist, weil die Belohnung – die Süßigkeit, die Taxifahrt – unser sogenanntes „heißes“ System anspricht.

Was meine ich damit?

Um den „Belohnaufschub“ nutzt Mischel das Konzept des „heißen“ und des „kühlen“ Fokus, entwickelt vom kanadischen Kognitionspsychologen Daniel Berlyne. Es erklärt, welche Wirkung ein Reiz auf uns hat. Eine „heiße“, motivierende Wahrnehmung – das Marshmallow ist weich und süß – löst ein impulsives Verlangen danach aus. Die „kühle“ Wahrnehmung dagegen konzentriert sich auf die abstrakten Fakten des Reizes – das Marshmallow ist rund und weiß, vielleicht 2 Zentimeter hoch. So gelingt es, den Reiz rational zu reflektieren – und das Verlangen zu steuern.

Bei Mischel konnten die Kinder, die lediglich ein Bild sahen, oder die Süssigkeit gar nicht sahen sich deutlich besser zurückhalten, als die Kinder, die den Marshmellow sehen ja sogar riechen konnten.

Was heißt das für uns?

Wenn wir unsere Willenskraft trainieren wollen, lernen wollen Belohnungen aufzuschieben, dann hilft es, den Fokus auf die „kühle“ Dinge zu lenken, auf die Fakten.

Beispiel: In Australien schreiben Restaurants die Kilojoule-Angaben jedes Gerichtes in die Speisekarte – mir hat das bei einem Roadtrip super geholfen statt einem 8900-Kilojoule-Menu mich für eine gesündere Variante zu entscheiden. Alleine dadurch, weil die Fakten auf einen Blick zu sehen waren, und das Verlangen dämpfen konnten.

FAZIT: Denken Sie mal darüber nach, was Sie langfristig für sich wollen. Und welche kurzfristigen Belohnungen Sie davon ablenken. Bewerten Sie jetzt die kurzfristigen Belohnungen mit einem kühlen FOKUS – und schreiben Sie mir gerne hier unter diesen Beitrag was dann passiert ist.

Viel Spaß beim Abkühlen

Ihre Cordula Nussbaum

Über den Podcast “Kreatives Zeitmanagement”:

Wir machen Schluss mit 0815-Methoden, wie “man” sich zu organisieren habe. Holen Sie sich neue Ideen für ein Zeitmanagement (und Selbstmanagement) das Ihnen wirklich hilft, eine Schneise in das tägliche Chaos zu schlagen und die Aufgaben-Flut besser zu bewältigen. Unter dem Kürzel AZM (Abenteuer Zeitmanagement) erwarten Sie regelmäßige Tipps und Methoden, wie Sie als Kreativer Chaot, als Querdenker, als Scanner, als Polypotential mehr Ruhe und Gelassenheit in Ihren Alltag bekommen und somit ein glückliches und erfülltes Leben leben (statt ein gefülltes :-) ).

Seit 2009 rangiert dieser Podcast unter den TOP-Podcasts und wird in über 130 Ländern gehört.

Wir haben im Juni 2018 die 2-Million-Download-Marke geknackt 🙂 So häufig haben Menschen rund um den Erdball den Podcast „Kreatives Zeitmanagement“ gehört und haben sich die Episoden heruntergeladen. Ich freue mich total!!!!!!! Danke für die Treue!!!! Sie kennen und mögen den Podcast? Dann freue ich mich seeeeeehr über eine Bewertung auf itunes 🙂 Gerne hier direkt bewerten – danke! 

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