Lebenskunst Reisen: ein Neue-Wege-Geher

5. September 2013

Dan Kieran, geboren 1975, ist ein englischer Reiseschriftsteller. Er schreibt für „Guardian“, „Telegraph“, „Observer“ und die britische „Times“.

Urlaubszeit: Der Flug ist gebucht, der Transfer zur Unterkunft bereits organisiert und wir liegen wenige Stunden nachdem wir die Haustür zuhause verschlossen haben am Strand.

Der Reiseführer verspricht herrliche Ausflüge, aber die Anlage bietet bereits ein tolles Sport- und Kulturprogramm, außerdem gibt es Abendessen vor Ort. Und die Kinder? Die werden rund um den Swimmingpool „bespaßt“ und mit einer eigenen Kinderkarte versorgt. Keiner muss auf sein gewohntes Lieblingsessen verzichten, verspricht der Veranstalter im Katalog.

 

Urlaubszeit, die schönste Zeit im Jahr!

So und wo bleibt jetzt noch Raum für Entdeckungen, Abenteuer und Begegnungen? Da spricht mir doch Dan Kieran in seinem Buch „Slow Travel – die Kunst des Reisens“ aus der Seele. Kieran ist englischer Reiseschriftsteller und leidet an Flugangst – eine ziemlich ungünstige Kombination. Das heißt  für den Globetrotter von Berufswegen, dass er Alternativen finden muss.

Und die hat er gefunden. Er bewegt sich gerne mit den eigenen Füßen, mit der Bahn oder mit dem Schiff, aber auch unkonventionelle Transportmittel wie ein alter Milchwagen oder ein Floß bringen den Abenteurer weiter. Der Autor versteht „Slow Travel“ als ein Loblied auf das Ungeplante, auf das Loslassen. Er liefert sich bewusst dem Chaos, dem Zufall und der Natur aus und hat mit dieser Art des Reisens seinen Blick auf die Welt verändert. Das hätte Dan Kieran ohne seine Flugangst niemals für sich entdeckt.  Und er geht noch einen Schritt weiter und empfiehlt vor der Reise keine Reiseführer zu lesen und während der Reise Telefon und Uhr zu Hause lassen und nur wenig Geld mitzunehmen.

Mal ehrlich, da bekommen wir Kreative Chaoten Sehnsucht, oder?

Ich kann nur raten, greifen Sie zu diesem Buch, bevor Sie eine neue Reise planen. Ich verspreche Ihnen: Sie wollen dann auch per Pedes, mit dem Bummelzug, mit dem Floß oder mit einem Milchwagen aus den vierziger Jahren und einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometer unterwegs sein.

Einen Ausschnitt aus dem Vorwort, geschrieben von Tom Hodgkinson, will ich Ihnen nicht vorenthalten: „Anstatt uns dem komplizierten Projekt zu widmen, gut zu leben, neigen wir dazu, uns für ein Dasein in Arbeit und Langeweile zu entscheiden, das von hyperdynamischen „Erlebnissen“ unterbrochen wird, die wir von einer Liste abhaken können.“

Dann sage ich nur noch: Schönen Urlaub!

Dan Kieran: Slow Travel. Die Kunst des Reisens. Aus dem Englischen von Yamin von Rauch. Rogner & Bernhard, Berlin 2013, 19,95. Bezug über amazon.de

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Martin Götz

…welch kluger Mann, wie recht er hat. Indianer warten auch, dass ihre Seele am Abend nachkommt, wenn sie unterwegs waren. Wir sind viel zu schnell unterwegs,

ich werde es mir das Buch besorgen, danke für den Tipp,

Martin Götz