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Interview mit Markus Hofmann: „Größe sagt nichts über Leistungsfähigkeit“

24. Mai 2009

Markus Hofmann traf ich zum ersten Mal auf einem seiner erfrischenden Vorträge, und immer noch kenne ich die zehn (mittlerweile elf) letzten amerikanischen Präsidenten. Er brachte mich auf den Geschmack, wie leicht lernen und merken ist und seither sind wir in regem Austausch. Neulich erzählte ich jemanden, dass ich Markus kenne, und den ganzen Abend war der Running Gag: „Sie kennen Markus Hofmann, Sie müssen sich alle unsere Namen merken!“ Nun traf ich Markus als frischgebackenen Buch-Autor zum Kamin-Gespräch.

? Markus, heute läuft doch jeder mit Smartphone und Tablet PC herum. Wir haben uns Gehirn quasi ausgelagert. Welche Bedeutung hat denn nun das Merken noch?

Markus Hofmann: Wie viele Telefonnummern kannst du heute noch auswendig eintippen? Und wie viele noch vor 10 Jahren? Sicherlich konntest du damals wesentlich mehr. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass wir unser Gehirn immer weniger beanspruchen und seine Fähigkeiten immer weniger nutzen. Das ist ein ernstes Problem. Schritt für Schritt verlagern wir unser Gedächtnis nach außen. Wir nutzen Handy, Terminkalender, Laptop oder Notizzettel. Auch via Internet finden wir vermeintlich schnell die Information, die wir gerade benötigen und lassen dabei unsere Gedächtnisleistung verkümmern.

In der heutigen Wissensgesellschaft benötigen wir aber mehr denn je unser Gedächtnis für eine optimale, schnelle und nachhaltige Wissensabspeicherung. Nur durch ein breites Basiswissen können wir nämlich Transferwissen herstellen und sind in der Lage kreative, neue Lösungen zu finden. Unsere geistige Leistungsfähigkeit und das gespeichrte Wissen sind der Wettbewerbsvorteil, den wir in unserer globalisierten Welt fördern und fordern müssen.

? Welchen größten Unterschied gibt es dabei zwischen Männern und Frauen?

„Es gibt zwei Perioden, in denen ein Mann eine Frau nicht versteht: vor der Hochzeit und nach der Hochzeit“, meint Robert Lembke. Manche Männer werden aus dem Redefluss der Frau nicht schlau. Keine Sorge, das ist völlig normal – und zwar sowohl der Eindruck von der Partnerin als auch deren Verhalten! Statt sich darüber aufzuregen, sollten wir es einfach als gegeben hinnehmen. Vielleicht helfen die folgenden Erklärungen, die Toleranz zwischen den Geschlechtern für das Verhalten des jeweils anderen zu erhöhen.

Das männliche Gehirn wiegt durchschnittlich 100 Gramm mehr als das weibliche und hat 22,8 Milliarden Neurone in der Großhirnrinde, während es bei Frauen nur 19,3 Milliarden sind. Das männliche Gehirn ist selbst dann um neun Prozent größer, wenn man es im Verhältnis zur Körpergröße betrachtet. Insgesamt gesehen, haben beide Geschlechter die gleiche Anzahl von Gehirnzellen, nur liegen sie bei der Frau dichter zusammen und drängen sich in einen kleineren Schädel.

Während das männliche Gehirn etwas mehr Volumen hat, hat das weibliche eine etwas größere Oberfläche und vor allem stärkere Verbindungen zwischen den Neuronen. So ist z.B. die Verbindung zwischen der rechten und der linken Hirnhemisphäre bei der Frau im hinteren Teil stärker ausgeprägt als beim Mann. Deswegen können Frauen auch besser Logik mit Gefühl verbinden, was uns Männer manchmal zum Wahnsinn treibt (lacht).

Die Gehirnzentren für Sprache und Hören enthalten bei Frauen elf Prozent mehr Neuronen als bei Männern. Klingelt da etwas? Der Hippocampus – also der Teil des Limbischen Systems, der für die Entstehung von Gefühlen und Erinnerungen zuständig ist –, nimmt im weiblichen Gehirn mehr Raum ein; das Gleiche gilt für Schaltkreise, die dem Beobachten von Emotionen bei anderen dienen.

Demgegenüber verfügt der Mann über eine größere Verarbeitungskapazität in der Amygdala, also jenem Gehirnareal, das Angst wahrnimmt und Aggressionen auslöst. Alles in allem gesehen, sind es keine großen Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn, sondern nur feine.

? Das heißt, wir können aus der Größe nicht auf die Leistungsfähigkeit schließen?

Nein, ein Unterschied in der Leistungsfähigkeit zwischen den Geschlechtern ist daraus nicht ableitbar.

? Woran liegt es, dass einige Menschen sich Sachen besser merken können als andere?

Das hat kann mehrere Gründe haben. Zum Einen müssen die neurologischen Voraussetzungen stimmen. Demenzkranke können sich wegen funktioneller Störungen schwer Dinge merken. Deswegen halten Sie Ihren Kopf fit indem Sie sich richtig ernähren (wenig Fett, langkettige Kohlenhydrate, ausreichend Vitamine und Nährstoffe) und ausreichend bewegen, damit genügend Sauerstoff in das Gehirn gelangt.

Zum Anderen spielt die Motivation – sich Wissen im Kopf abzuspeichern – eine große Rolle. Angenommen Du bist begeisterter Fußballer. Dann kannst Du Dich wesentlich leichter daran erinnern, wer 1990 im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft das entscheidende Tor für Deutschland geschossen hat. Jemand, der sich nicht für Fußball interessiert, weiß vielleicht gar nicht, dass Deutschland 1990 Weltmeister geworden ist. Das gleiche passiert wenn Kinder sich die 493 Pokemon-Figuren mit Namen und allen Charaktereigenschaften merken.

Ein dritter, wesentlicher Faktor ist: ich kann mir Informationen wesentlich einfacher und schneller behalten, wenn bereits Vorwissen vorhanden ist. Angenommen Sie studieren schon seit 2 Jahren Physik, dann wird Ihnen das Verstehen und auch Erinnern eines neuen Forschungsergebnisses wesentlich leichter fallen als jemandem, der sich ganz neu mit diesem Thema beschäftigt.

Der vierte und vielleicht wichtigste Punkt ist das Anwenden von Gedächtnis- und Merktechniken. Hiermit kann man Wissen nicht nur schneller verankern sondern auch wesentlich länger im Kopf behalten. Dies funktioniert mit emotional geladenen Geschichten. In meinen Seminaren und Vorträgen zeige ich den Menschen wie sie sich hunderte von Informationen mit diesen Techniken in wenigen Minuten merken können. Das schöne daran ist, es funktioniert bei jedem. Übrigens, Andreas Breme hat den entscheidenden Elfmeter zum 1:0 gegen Argentinien geschossen. 😉

? Wie können wir das „Leichter Lernen“ schon in den Schulen bekannter machen? Welche Aktivitäten machst Du da?

Ich komme ohne Honorar an Schulen und zeige den Schülern und Lehrern, wie sie die Techniken im Unterricht anwenden, sich besser auf Prüfungen vorbereiten und bessere Noten schreiben können. Mein wichtigstes Augenmerk ist dabei, den Spaß am Lernen wieder zu wecken. Die Schüler sind nach den 2 Stunden von sich selbst extrem begeistert und sehen, dass sich jeder Lernstoff – mit den richtigen Gedächtnistechniken – auf humorvolle Art und Weise im Kopf abspeichern lässt. Die Techniken sind ein wichtiges Werkzeug mit dem jeder Lernende und Lehrende arbeiten sollte. Lehrer oder Eltern können sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

? Du sprichst auch von den „Talenten“ der linken und der rechten Gehirnhälfte. Viele meinen, dies sei stark verkürzt dargestellt, weil die Funktionen ja viel komplexer verteilt sind…

Ganz klar. Das Bild von einer linken und rechten Gehirnhälfte ist stark vereinfacht – aber sehr anschaulich, wenn es darum geht zu zeigen, dass unterschiedliche mentale Aufgaben von unterschiedlichen Gehirnregionen verarbeitet werden, aber dennoch zusammenspielen. Denken und Erinnern sind immer ganzheitliche Prozesses im Gehirn.

Die Herausforderung ist nun, möglichst viele Gehirnbereiche – vor allem die Emotionalen und Bildhaften – beim Lernen und Merken zu aktivieren. Das ist, als ob du einen Turbo einschaltest. Ein Beispiel: Du möchtest dir deine Geheimzahl 7564 merken. Du kannst diese natürlich rational abspeichern. Leichter und vor allem nachhaltiger funktioniert es aber mit der folgenden Geschichte: Auf deiner Scheckkarte siehst du das Bild eines Zwerges (7 Zwerge), diesem schüttelst du gerade die Hand (5 Finger) und überreichst ihm eine kleine Geschenkbox (sieht aus wie ein Würfel mit 6 Seiten) in dem sich ein kleines Spielzeugauto (4 Räder) befindet.

? Wie bist Du selbst auf dieses Thema gekommen, aus welchem Grunde hat es Dich begeistert?

Ich habe die Techniken bei meinem Partner Gregor Staub kennengelernt und diese in meinem Studium eingesetzt. Ich konnte damit in der Hälfte der Lernzeit doppelt so gute Noten (im Vergleich zum Abitur) erzielen. Das war faszinierend, weil ich zum einen wieder Spaß daran hatte zu Lernen und zum anderen hatte ich den Vorsprung durch Wissen mit dem ich meine Mitmenschen und v.a. Dozenten ganz nebenbei beeindrucken konnte. Deshalb baten mich meine Kommilitonen, ihnen diese Gedächtnistechniken ebenfalls zu zeigen. Das positive Feedback zu meinem Auftritt reichte von „humorvoll“, „nutzbringend“, bis hin zu „begeisternd“ und „motivierend“ und gaben mir den Impuls mich in diesem Bereich selbständig zu machen.

Außerdem liebe ich es mit Menschen zu arbeiten, sie zum Lachen zu bringen und Ihnen nebenbei noch Tools an die Hand zu geben, die sie persönlich weiter bringen. Das positive Feedback und die bereichernden Kontakte, die daraus entstehen, beflügeln mich und geben mir das Gefühl hier wirklich meine Berufung gefunden zu haben.

? Was war Dein persönlich größter Lern-oder Merk-Erfolg?

Natürlich war mein Studium ein Highlight für mich, da ich dies neben meinem Beruf bewältigen und nach der Arbeit und am Wochenende noch lernen musste. Noch spannender fand ich aber die beiden folgenden Episoden:

Viele Jahre war ich begeisterter Mit-Segler. Vor vier Jahren wollte ich nun selbst den Segelschein machen. Du siehst, hohe Motivation und ein gewisses Vorwissen waren vorhanden. Für die drei schriftlichen Prüfungen (Binnenschein, Seeküstenschifferschein, Funkzeugnis) habe ich insgesamt nur 1 ½ Tage gelernt und mir das Wissen mit Hilfe der Techniken im Gedächtnis verankert. Den Test habe ich als einer der Besten abgeschlossen.

Im April 2009 habe ich mich bei „Schlag den Raab“ beworben. Es gab 30.000 Bewerber. Hier kommt es vor allem auf Geschicklichkeit, Fitness, Koordination aber vor allem auf Allgemeinwissen an. Im Casting konnte ich den Wissenstest als einer der Besten abgeben. Dazu habe ich innerhalb von 2 Wochen die wichtigsten Daten, Fakten, Zahlen, Personen aus dem Bereich Geografie, Geschichte, Boulevard, Sport, Politik, Literatur und Wissenschaft aus Deutschland und der Welt abgespeichert. U.a. in zwei Stunden alle Länder dieser Welt, deren Lage auf der Landkarte mit den jeweiligen Hauptstädten und Flaggen.

Bei den zwei Castings in Köln konnte ich mich durchsetzen und war am Ende unter den letzten 20 Bewerben. Leider war mein sportliches Spektrum wohl nicht breit genug. Auf eine Frage im Interview, ob ich Schläger-Sportarten betreibe, war meine Gegenfrage: „Meinen Sie Sportarten wie Boxen oder Karate?“. Der nette Herr hinter der Kamera erklärte, dass dabei eher Tischtennis oder Badminton gemeint war (lacht). Aber, das zusätzliche Wissen, das ich mir dadurch angeeignet habe, kann mir keiner mehr nehmen.

? Welchen Tipp möchtest Du unseren Lesern besonders ans Herz legen?

Denken Sie in Bildern und haben Sie Spaß am Lernen!! Je mehr Grundwissen Sie sich aneignen, um so leichtern können Sie neues Wissen abspeichern und um so geistig flexibler und kreativer werden sie.

Das Interview führte ich mit Markus im Mai 2009.

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