Handelsblatt: „Acht Krisentypen und wie sie am besten mit der Situation umgehen“

8. April 2020
krisentypen glück expertin

„Homeoffice, Kurzarbeit, Entlassungen: So verändert Corona die Arbeitswelt. Seit einem Monat hat die Corona-Pandemie unseren Arbeitsalltag im Griff. Acht Beispiele, wie unterschiedlich Manager und Mitarbeiter mit der Krise umgehen – und was Experten ihnen raten.“ Diesen Fragen ging das Handelsblatt Anfang April nach. Für drei Krisentypen wurde ich als Motivations- und Glücks-Expertin nach einem Statement gefragt.

Hier ein Auszug aus dem Artikel, komplett nachzulesen >>hier.

„Die doppelt Belastete: Nicht mehr allein zu Haus

Bilder: (c) by Handelsblatt

Zur Person: Ute Wagner*, 46, lebt im Ruhrgebiet und arbeitete schon immer im Homeoffice. Nun muss die Controllerin einer mittelständischen IT-Firma aber auch noch auf ihre sechsjährige Tochter aufpassen – der Kindergarten ist wegen der Pandemie dicht.
So erlebt sie die Krise: „Die Situation ist schwierig: Meine Tochter vermisst ihre Freundinnen und will beschäftigt werden. Sie hat in dieser Woche zwar Vorschulübungen gemacht, aber nach einer Stunde keine Lust mehr. Und ich habe von Tag zu Tag mehr zu tun: Wir haben viele Neubestellungen, weil zig Firmen Computertechnik für die Heimarbeit ihrer Mitarbeiter kaufen – und ich muss die Anträge prüfen. Mein Mann ist ebenfalls im Homeoffice, daher habe ich ihm das Arbeitszimmer überlassen, ich sitze im Wohnzimmer. Dort hält mich meine Tochter besonders ab: Der Halbtagsjob von 8 bis 12 Uhr kann sich dadurch auf sieben Stunden strecken. Ich habe noch keine Strategie gefunden, Erziehung und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Ich lasse das Kind nun ab und an fernsehen – auch mal drei oder vier Folgen am Stück.“
Das rät die Expertin: Berufstätige Eltern im Homeoffice gehören für Karriereberaterin und Buchautorin Cordula Nussbaum mit zu den Hauptleidtragenden der Krise. „Ihnen wird im Job und vom Nachwuchs alles abverlangt. Wer auf beiden Gebieten 100 Prozent geben will, wird scheitern.“ Deshalb sei es derzeit auch in Ordnung, die Kinder mal länger fernsehen zu lassen, sofern das TV-Programm passt. Eine sinnvolle Beschäftigung: die Kinder nach dem Essen die Spülmaschine einräumen zu lassen. Nussbaum rät Wagner, sich bei der Kinderbetreuung mit ihrem Mann abzuwechseln. „Sie sollte besser drei Stunden fokussiert arbeiten – und würde mehr schaffen, als wenn sie sich sieben Stunden lang aufreibt.“

Der Homeoffice-Liebhaber: Schöne neue Heimarbeit

(c) by Handelsblatt

Zur Person: Karsten Kurz*, 35, arbeitet in Düsseldorf als Serviceleiter in der Telekommunikationsbranche. Schon vor der Pandemie war er zwei Tage pro Woche im Homeoffice.
So erlebt er die Krise: „Durchs Homeoffice spare ich mir jeden Tag drei Stunden Autofahrt – Zeit, die mir für die Familie und private Projekte zur Verfügung steht. Mich hat überrascht, wie reibungslos es läuft, obwohl jetzt alle im Homeoffice sind. Was ich immer wieder feststelle: Die Work-Life-Balance ist zu Hause besser, weil ich flexibler reagieren kann – geschäftlich wie privat. Um hier nicht zu viel zu arbeiten, muss ich mich aber schon selbst disziplinieren. Kurz den Fernsehabend unterbrechen, um dem Kollegen eine wichtige Info zu senden, oder vom Postboten das Paket entgegennehmen – das ist okay, finde ich, darf aber nicht überhandnehmen. Ich habe den Vorteil, dass meine Frau in Elternzeit ist und auf unsere kleine Tochter aufpasst – und ich in Ruhe arbeiten kann. Trotz aller Vorteile: Das Zwischenmenschliche, der ungezwungene Plausch in der Teeküche fehlt mir. Ich habe schon ein paar Kollegen angerufen, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben.“
Das rät die Expertin: Für Karriereberaterin Nussbaum geht Kurz sehr achtsam mit der Heimarbeit um. „Er genießt die Vorteile wie Flexibilität und Zeitgewinn und ist sich der Risiken bewusst, dass die Arbeit zu großen Raum einnehmen kann.“ Wer zu lange im Homeoffice sitzt, sollte klare Arbeitszeiten festlegen und abends das Diensthandy ausschalten. Hilfreich ist auch eine klare räumliche Trennung, damit sich Berufliches und Privates nicht zu sehr vermischen. „Um den so wichtigen Flurfunk und den informellen Austausch mit den Kollegen nicht zu verlieren, sollte sich Kurz regelmäßig zum digitalen Kaffeetrinken per Videokonferenz verabreden.“

Der Genervte: Der Druck ist raus

(c) by Handelsblatt

Zur Person: Martin Held* arbeitet als Tischlermeister in einem Betrieb mit 250 Mitarbeitern im Ruhrgebiet. Die Pandemie nervt den 48-Jährigen.
So erlebt er die Krise: „Die Firma wurde in mehrere Bereiche unterteilt. Ich arbeite in der Projekttechnik und soll nun möglichst nicht mehr in die Werkstatt oder den Maschinenraum gehen. Überall stehen Desinfektionsmittel bereit, jeden Morgen wird Fieber gemessen. Am Anfang der Krise war noch gut zu tun, aber die ersten Anzeichen sind da, dass es bald ruhiger wird. Dann heißt es wieder: Überstunden abbauen, Urlaub nehmen, Kurzarbeit – und hoffentlich nicht mehr. In der Vergangenheit musste ich alle vier Jahre den Job wechseln, da der Betrieb zugemacht hat – nun sind wieder vier Jahre rum… Unser größter Kunde hat jedenfalls fast alle Aufträge auf das kommende Jahr verschoben. Das nervt! Am meisten stört mich, dass ich nicht weiß, wann wir wieder normal arbeiten können – das wird hoffentlich nicht erst im Spätsommer der Fall sein. Schon jetzt ist der Druck raus, manche arbeiten hier wie in einer Beamtenbude. Mein anfänglicher Unmut hat sich aber schon ein klein wenig gelegt: Vielleicht, weil ich wohl doch nicht in Kurzarbeit gehen muss – und nun zwei Wochen Osterurlaub anstehen.
Das rät die Expertin: Dampf ablassen, genervt sein, auf das Virus schimpfen – das kann als reinigendes Gewitter tatsächlich helfen, kurzfristig Stress abzubauen, und ist allemal besser, als den Ärger in sich hineinzufressen – und so vielleicht sogar depressiv zu werden. „Nach dem kontrollierten Motzen muss aber Schluss sein“, sagt Expertin Nussbaum. „Langfristig sollte Held seine Energie den Dingen zuwenden, die ihn weiterbringen.“ Fortbildungen zum Beispiel. „Alles, was er jetzt in Bildung investiert, wird ihn in der nächsten Krise stützen.“

* Namen von der Redaktion geändert

Mehr Tipps zum Thema „Homeoffice“ von mir findet Ihr >> hier.

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