Buch-Tipp: Meet up! von Eppler & Kernbach

3. Juli 2018

Mit „Meet up!“ legen die Autoren Martin J. Eppler und Sebastian Kernbach ein prallvolles Buch vor, wie wir ganz einfach bessere Besprechungen durch „Nudging“ erreichen können. Dieses Impulsbuch für Leiter, Moderatoren und Teilnehmer von Sitzungen erklärt ausreichend theoretischen Hintergrund und hat mich mit seinen vielen praxisnahen, sofort umsetzbaren Tipps begeistert. „Nudging“ bedeutet, jemand subtil anzustubsen, mit dem Ziel ein unerwünschtes Verhalten zu verändern. Ein plakatives Beispiel für ein Nudge, das Sie sicherlich kennen, ist die Fliege in der Mitte von Männer-Pissoirs 🙂

Das Buch ist ganz nach meinem Geschmack, eine Verhaltensänderung nicht mit Verboten und Regeln zu erzwingen, sondern das Spielerische in uns zu nutzen, damit wir so agieren, wie es für uns, das Team, die Welt am besten ist. Und wo ist das nicht sinnvoller als in Meetings. Seit vielen Jahren gebe ich in meinen Zeitmanagement-Seminaren auch immer Tipps für eine neue Meeting-Kultur in den Unternehmen mit. Denn Studien zufolge ist 40 Prozent der Zeit, die wir in Meetings verbringen sinnlos verbratene Zeit. Besonders drastisch ist das für Führungskräfte, die gerne mal schnell die Hälfter der Woche in Meetings verbringen.

Zeitfresser Meetings – woran liegt es?

Strukturiert gehen die Autoren Eppler und Kernbach den verschiedenen Meeting-Zeit-Killern nach. Sind es zuviele oder zu lange Meetings? Fehlen den Meetings Fokus, Orientierung, Involvierung oder Verpflichtung? Je nach Kern des Problems liefern sie Ideen für kleine, schnelle umsetzbare Gegenstrategien. Beispiel: Fehlender Fokus, weil zuviele Leute teilnehmen? Amazon-CEO Jeff Bezos besteht darauf, dass bei keiner Besprechung mehr Teilnehmer dabei sein dürfen, als mit zwei Pizzas satt werden. Cool auch Googles „Achterregel“: Mehr als acht dürfen es nicht sein. Wenn das nicht geht: Bei Walk-in-walk-out kommen auch Gäste anderer Abteilungen zu vorab definierten Themen dazu und gehen dann wieder, wenn sie fertig sind. Das hilft auch, die Agenda genau einzuhalten, damit Kollegen nicht warten müssen.

Zahlreiche Beispiele kannte ich bereits aus Erzählungen meiner Seminarteilnehmer oder aus Unternehmen, mit denen ich arbeite. Eine Checkliste „Meeting-Kultur etablieren“ gibt es dazu auch in meinem Download-Bereich. So hat ein Unternehmen beispielsweise eingeführt, dass Zuspät-Kommer ein Drei-Minuten-Referat zu einem Thema nach Wahl der Gruppe halten müssen – auch die Vorgesetzten :-). Im Buch nennen Eppler und Kernbach diese Idee „Rapid Fire“.

Nudging hilft, Meetings effektiver und effizienter zu machen

Andere Beispiele hatte ich in der Form noch nicht im Zusammenhang mit Meetings erlebt. Beispiel: die Beiträge der Teilnehmer dauern immer endlos lange? Die japanische „Pecha Kucha“-Methode zwingt die Ersteller von Präsentationen, ihre Botschaften auf exakt 20 Folien darzustellen, die jeweils nur 20 Sekunden sichtbar sind. Damit ist automatisch jeder nach 6 Minuten und 40 Sekunden fertig. Guter Ansatz!

Oder nehmen wir die Nudges zum Thema „Orientierung“: Es mögen einfach keine Ideen aufkommen? Spielerisch, witzig und nachweislich ideenfördernd ist der ABSURD-Nudge. Dabei wird ein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Der „Anti“ fragt: Wie verschlimmern wir unser Problem? Der „Bonze“ fragt: Was würden wir tun, wenn wir unlimitiert Geld zur Verfügung hätten? „Superman“ fragt: Was würde Chuck Norris tun? „Uralt“ geht der Frage nach: Wie hätte man das Problem vor 30 Jahren gelöst? „ROFL“ (Rolling on the Floor Laughing) sucht die Antwort auf die Frage: Welche Lösung erwartet man von uns nicht? Und „Dusel“ beantwortet: Was würden wir uns wünschen, hätten wir einen Wunsch frei?

FAZIT: Sehr empfehlenswertes Buch für alle, die den Zeitfresser „Meetings“ auf eine spielerische und damit nachhaltige Weise ändern wollen.

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