Darf’s ein bisschen schneller gehn?

Quelle Foto: Saimen. / photocase.com

Wie Sie schnell einfache Lösungen finden und auch durchsetzen.

Kurz vor Feierabend – Ihr Chef kommt rein: „Großes Problem … ziemlich kompliziert … haben sich schon andere die Zähne dran ausgebissen …“. Nach einer halben Stunde Tüfteln stehen Sie stolz im Büro Ihres Chefs. Die Lösung lag auf der Hand, war ganz einfach und eigentlich offensichtlich. Ihr Chef blickt Sie ungläubig an. „Das soll die Lösung sein? Für dieses komplexe Problem? Sie haben da sicher ein paar Aspekte außer Acht gelassen. Das gehört nochmal gründlich überarbeitet!“

Warum sind wir so oft der Meinung, dass die Lösung mindestens genauso kompliziert sein muss wie das Problem?

Gerade Kreative Chaoten haben meist auf Anhieb 10 Lösungen parat, die aber alle „nicht durchdacht, nicht praktikabel“ oder – schlicht und einfach – nicht umständlich genug sind. Häufig stoßen sie dabei auf logische Ordner, die harte Fakten sehen wollen. Doch warum darf’s nicht auch mal schnell und einfach sein?

Einfache Lösungen sind meist nicht gut genug, weil sie dem Problem ja gar nicht gerecht werden. Außerdem zeigen sie, dass sich andere bei der Einschätzung des Problems vertan haben. Und das kratzt am Ego. Wer möchte schon gerne zugeben, das Naheliegende zu übersehen?

Neben der persönlichen Note kommt jedoch noch ein anderer Grund hinzu: Je wichtiger und komplexer ein Problem ist, desto mehr Zeit räumen wir ihm ein. Da braucht es eine Problemanalyse, gute Ursachenforschung, eine Lösungsstrategie und natürlich die Umsetzung. Kurz: gründliches Arbeiten braucht Zeit. Sind wir schneller fertig als vorgesehen, kann ja gar nichts Gutes dabei rauskommen. Also bearbeiten wir jeden Aspekt gründlich und finden am Ende eine Lösung, die noch komplizierter ist als das Problem. Schließlich müssen wir ja auch unseren Zeitaufwand rechtfertigen.

Zunächst einmal ist es logisch, dass wir bei großen Problemen auch komplizierte Lösungen erwarten, denn unser Gehirn schaltet bei schwierigeren Sachverhalten automatisch auf abstraktes Denken um.

Aber mit ein paar einfachen Strategien können wir diese Denkfalle ganz leicht austricksen:

  • Wer eine komplizierte Lösung sucht, wird auch eine finden. Bevor Sie loslegen, sagen Sie sich „Es darf auch einfach sein.“ So halten Sie sich alle Möglichkeiten offen und Ihr Gehirn kann in alle Richtungen suchen.
  • Werden Sie zum Kind. Wie hätten Sie das Problem mit 10 Jahren gelöst? Diese Strategie hat gleich zwei Vorteile. Zum einen können Sie gar nicht zu abstrakt denken, sondern suchen ganz von selbst nach einfachen Lösungen. Zum anderen regt es Ihre kreative Seite an und Sie brechen aus den alten Denkbahnen aus.
  • Setzen Sie sich ein knappes Zeitlimit. In 15 Minuten haben Sie eine vorläufige Lösung – egal wie gut sie ist. Für kompliziertes Denken bleibt dadurch gar keine Zeit mehr.

Nun haben Sie Ihre schnelle Lösung.

Doch was tun Sie, wenn Sie damit nur auf ein ungläubiges „Schon fertig?!“ stoßen?

Ganz einfach: behalten Sie sie erst mal für sich und widmen Sie sich wichtigeren Dingen. Nach einer angemessenen Wartezeit geben Sie die Lösung an Ihre Kollegen weiter. Vergessen Sie dabei aber nicht zu erwähnen, wie viel Anstrengung es Sie gekostet hat („Das hört sich jetzt vielleicht banal an, aber es steckt eine Menge Grips dahinter!“) Lassen Sie es bloß nicht zu einfach klingen!

Erscheint Ihnen das unaufrichtig? Sie haben recht. Doch hier können Sie zwischen zwei Übeln wählen: entweder Sie tricksen Ihre Kollegen aus, oder Sie investieren selbst viel mehr Zeit in eine kompliziertere, wenn auch nicht bessere Lösung.

Es gibt allerding noch einen anderen Weg. Geben Sie Ihrem Chef das Gefühl, er wäre selbst auf diese einfache und auf der Hand liegende Idee gekommen. Er wird mächtig stolz auf sich sein. Dazu sollten Sie aber Ihren Chef gut kennen und geschickt manipulieren können. Das ist, sozusagen, der Königsweg. 🙂

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Dann freue ich mich, wenn Sie diesen Artikel kommentieren und/oder in den sozialen Medien teilen.

Beitrag teilen:Facebooktwittergoogle_plusmail

4 Gedanken zu „Darf’s ein bisschen schneller gehn?

  1. Super, da finde ich mich drin wieder. Danke für die Bestätigung.
    Ich praktiziere das schon länger, das ich die Lösung nicht sofort vorlege, sondern erstmal liegen lasse,mit den gewichtigen Worten „ich denke mal drüber nach“. Manchmal hab ich dann auch ein schlechtes Gewissen gegenüber den Lösungssuchern. Manchmal fällt mir aber tatsächlich später spontan noch was Besseres ein, was durchdachter klingt als die erste einfache Lösung 🙂
    Und ich habe nicht mehr den Anspruch an mich, komplett Lösungen zu finden für Bereiche, die nicht die meinen sind, wie z.B. Controlling – da kann ich nur Impulse geben und lass den Vorwurf „ist das auch zu Ende gedacht?“ an mir abprallen.

  2. Vielen, Vielen Dank! Dieser Artikel ist perfekt! Nein nicht ganz perfekt, man könnten natürlich noch etwas tiefer auf die Psychologie der Wort eingehen, ja das wäre hilfreich, auch was heißt hier abstrakt denken, der Artikel ist bestimmt in gerade einmal 10 Minuten geschrieben worden oder?………

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *